Seit Sommer 2025 verkauft das Studierendenwerk Würzburg bestimmte Gerichte als „Klimateller“. Sie sollen weniger CO2-Emissionen verursachen als andere. Wann ein Gericht zum Klimagericht wird, und was Studierende von der THWS und der Uni Würzburg dazu sagen.
Veröffentlicht am 17.06.2026
Für viele Studierende ist es der schönste Teil des Unitages: Die gemeinsame Mittagspause in der Mensa bei Käsespätzle, Currywurst oder einem bunten Salat. Die Auswahl des passenden Gerichts ist manchmal gar nicht so einfach. Denn in den Mensen des Studierendenwerks Würzburg gibt es mehrere Essen zur Auswahl. Hinter mindestens einem steht seit dem Sommer 2025 ein blaues Logo mit dem Schriftzug „Klimateller“. Doch was hat es damit auf sich?
„Der Klimateller ist ein Gericht, das mindestens 50 Prozent weniger CO2-Emissionen verursacht, als vergleichbare herkömmliche Gerichte“, sagt David Fleischhauer. Er arbeitet seit 2017 für das Studierendenwerk Würzburg und seit 2024 in der Bereichsleitung der Hochschulgastronomie. Das Studierendenwerk betreibt Standorte in Würzburg, Schweinfurt, Bamberg und Aschaffenburg. Fleischhauers Büro befindet sich direkt über der Mensa am Studentenhaus in Würzburg, wo auch viele Studierende der THWS regelmäßig essen gehen.
Produkte werden standardisiert
Das Projekt “Klimateller in den Mensen” läuft deutschlandweit und wurde vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert. Die Dresdner Initiative Nahhaft hat den Klimateller ins Leben gerufen. Die Geschäftsführung des Studierendenwerks entschied sich, an dem Projekt teilzunehmen, um einen verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen vorzuleben. Zudem kam der Wunsch aus Studierendenvertretungen in verschiedenen Städten, die Mensagäste bei einer klimabewussten Ernährung zu unterstützen. David Fleischhauer spricht von einer Herausforderung: „Es ist gar nicht so einfach, Wünsche und Realität in Einklang zu bringen.“ Um die aufwändige Datenerhebung und Auswertung stemmen zu können, arbeiten die Würzburger mit dem Dienstleister Eaternity zusammen. Das Schweizer Unternehmen sammelt die Daten zu den Produkten, die das Studierendenwerk einkauft. In einer Datenbank wird gespeichert, woher beispielsweise ein Schnitzel kommt, welche Nährstoffe es enthält, und auch, welche Zusatzstoffe es aufweist.
So kann Eaternity jedes Produkt mit Hilfe einer Einheit standardisieren. „Unser Bewertungssystem nutzt die sogenannte „Daily Food Unit“ (DFU) als Normierungsgröße“, sagt Yagmur Deniz-Sari, Assistentin der Geschäftsleitung. Dabei wird anhand der Nährstoffe berücksichtigt, wie sehr ein Gericht sättigt. Dies ist nötig, weil beispielsweise 100 Gramm Paprika nicht mit 100 Gramm Pute vergleichbar sind, wenn es um die Menge, den Wassergehalt und die Nährwerte wie Kalorien, Fette und Proteine geht. „Dieses Verfahren ermöglicht eine portionsgrößenunabhängige Bewertung, durch die verschieden große Gerichte, vom kleinen Salat bis zur großen Pizza, fair miteinander vergleichbar sind“, sagt Yagmur Deniz-Sari.
Die Nachfrage bestimmt das Angebot
Beim Klimateller geht es dabei ausschließlich um die CO2-Emissionen, die verursacht werden. Eaternity betrachtet alle Emissionen, die vom Acker bis in die Küche anfallen. Andere Kriterien wie Wasserknappheit, Biodiversität, Gesundheit oder soziale Nachhaltigkeitskriterien deckt das Label nicht ab. Die Emissionen entstehen etwa in der Viehzucht, bei der Abholzung von Wäldern für die Landwirtschaft und dem Einsatz fossiler Brennstoffe in Produktion und Transport.
Eaternity schaut sich unter anderem an, wie viel CO2 die Maschinen bei der Ernte verursachen, auf welchem Weg das Lebensmittel transportiert wurde oder wie viel Strom die Metzgerei verbraucht, wenn es sich um ein tierisches Produkt handelt. Aus all diesen Faktoren errechnet das Unternehmen einen CO2-Wert, bezogen auf eine DFU. Wenn dieser Wert entsprechend weit unter dem Wert von Gerichten mit gleichen Nährwerten liegt, bezeichnet Eaternity das Gericht als Klimateller. Für den Vergleich bezieht sich das Unternehmen auf Daten aus einer Messung von 150 Betrieben aus der Systemgastronomie über drei Jahre hinweg.
Durch die Einführung des Klimatellers haben sich David Fleischhauer und sein Team verstärkt mit klimafreundlichem Essen beschäftigt und viel gelernt. Dennoch wird sich das Angebot des Studierendenwerks auch in Zukunft nach der Nachfrage richten. „Wir arbeiten mit den Rezepturen, mit denen wir bisher auch gearbeitet haben, und bewerten diese“, sagt Fleischhauer. In Zukunft werde man auswerten können, wie der Klimateller bei den Studierenden und anderen Kunden und Kundinnen ankommt. “Grundsätzlich wird auch in Zukunft die Nachfrage unser Angebot bestimmen. Wenn es sich so ergibt, dass das unser Klimateller ist, werden wir das auch dementsprechend fördern”, sagt Fleischhauer.
Nicht immer ist der Klimateller vegetarisch oder vegan
Über das Kassensystem erfasst das Studierendenwerk jedes verkaufte Gericht. Die Currywurst mit Pommes ist demnach schon seit Jahren das beliebteste Gericht. Durch den hohen Verarbeitungsgrad und den Fettgehalt wird es wohl nie als Klimateller deklariert werden, sagt Fleischhauer. Andere Fleisch- oder auch Fischgerichte könnten dagegen durchaus ein Klimagericht sein, wenn es sich etwa um Tiere aus Freiluft- oder Biohaltung handelt und die Beilagen viel Gemüse enthalten.
Es sind also nicht prinzipiell nur vegetarische oder vegane Gerichte ein Klimateller, auch wenn diese generell die besseren Voraussetzungen haben. In der Woche vor Weihnachten 2025 war das blaue Logo in der Mensa am Studentenhaus beispielsweise neben den veganen Teigtaschen Mezzelune mit Spinatfüllung, der Mie-Nudelpfanne mit frischem Gemüse und dem Süßkartoffel Hot Pot mit Gemüse und Erdnuss zu finden.
Studierende äußern sich vorwiegend positiv
Da Studierende vermehrt aus Überzeugung oder aus Gesundheitsgründen zum vegetarischen oder veganen Gericht greifen, kaufen sie automatisch also auch oft den Klimateller. So wie Pauline, die Politik- und Sozialwissenschaften an der Uni Würzburg studiert. ”Ich finde das Konzept von dem Klimateller sehr gut und ich finde, es sollte sogar noch mehr davon geben”, sagt sie. Vor ihr steht eine mexikanische Reispfanne, die an diesem Tag das Klimagericht ist. Auch ihre Freundin Vanessa ist Vegetarierin. Die Jurastudentin hält den Klimateller ebenfalls für eine gute Idee. Bisher hatte sie das Logo schon gesehen, wusste aber nicht genau, was das Konzept dahinter ist.
Ein paar Tische weiter sitzt Manuel. Er studiert Fachübersetzen an der THWS. Auch er kannte die genauen Hintergründe des Klimatellers bisher nicht, was auch ein Grund war, warum er sich bisher nicht bewusst für ein Klimagericht entschieden hat. “Für mich hat dieses Siegel nicht so eine große Bedeutung, weil ich nicht genau weiß, warum ein Gericht zum Klimateller erkoren wird”, sagt er. Generell macht Manuel sich aber auch weniger Gedanken um seine Essensauswahl als beispielsweise Pauline oder Vanessa. „Meist nehme ich einfach das Gericht, auf das ich gerade am meisten Lust habe“, sagt er.
Für seine Kommilitonin Eileen ist auch der Preis ausschlaggebend. Ein Blick auf den Speiseplan zeigt, dass auch preisbewusste Studierende mit dem Klimateller gut fahren: In vielen Fällen ist das Klimagericht nämlich zugleich auch relativ preisgünstig.
Der Klimateller wird seit dem Start 2024 von 19 Studierendenwerken deutschlandweit angeboten, sechs davon in Bayern (Stand Januar 2026). Die Initiative Nahhaft hat zudem mit dem Softwareentwickler Eaternity und weiteren Organisationen eine Desktop-App entwickelt: mit der KlimaTeller App können Interessierte die CO2-Bilanz ihrer Gerichte selbst ermitteln.







