×
Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Vorbereitungsklassen: Von Bangalore nach Schweinfurt

Wie junge Menschen aus Indien und Pakistan ihren Weg an die THWS finden

© Smitha Bellavi, Prerana Joardar

Viel Konkurrenz, ein Jahr intensive Vorbereitung und eine neue kulturelle Umgebung: Für junge Menschen aus Indien und Pakistan ist der Weg an die THWS mit einigen Herausforderungen verbunden. Wie die Vorbereitungsklassen sie dabei unterstützen und den Einstieg ins Studium erleichtern.

Veröffentlicht am 07.10.2026

Seit die THWS 2014 ein Pilotprojekt mit einer Partnerhochschule im indischen Bangalore startete, kommen regelmäßig zahlreiche Studierende von dort nach Schweinfurt oder Würzburg an die Technische Hochschule. Weil die Kooperation erfolgreich war, wurde sie über die Jahre auf einige weitere Partnerhochschulen in Indien und schließlich auch in Pakistan ausgeweitet. Im Wintersemester 2025/26 waren beispielsweise 855 junge Menschen aus diesen Ländern an der THWS in Unterfranken eingeschrieben. Doch der Weg nach Deutschland ist für die Teilnehmenden des Programms kein einfacher, nicht nur weil es viel Konkurrenz gibt, sondern auch weil der Übergang von einem Bildungssystem in ein anderes nicht unbedingt leicht ist.

Grundlagen-Lernen in den Vorbereitungsklassen

Prerana Joardar und Smitha Bellavi haben diesen Weg bereits hinter sich. Die beiden sind bereits im 7. Semester ihres Bachelors in Robotik in Schweinfurt. Zuvor besuchten beide ein Jahr lang eine Vorbereitungsklasse in Bangalore am RV College of Engineering. In zwei Semestern werden die Studierenden dort fit gemacht für das Studium an einer deutschen Hochschule. „Im Grunde ist alles Grundlagen-Ingenieurwesen, also: Mathe, Physik und solche Sachen“, erinnert sich Prerana. Daneben lernen sie Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens und Deutsch. In eine dieser Klassen zu kommen, ist allerdings alles andere als leicht, weiß Dr. Daniel Wimmer, Leiter des Hochschulservice Internationales: „Die Institutionen vor Ort schauen: Wer hat sehr gute Noten, es gibt Auswahlgespräche und in Indien wird auf außerschulisches Engagement geschaut.“ Kriterien, die in Deutschland oft nur bei der Bewerbung auf ein Stipendium angelegt werden. Dieser hohe Selektionsdruck liegt auch am großen Interesse, auf das die Vorbereitungsklassen stoßen. „Sie haben ungefähr zehnmal so viele Bewerbungen aus ganz Indien, wie sie am Ende aufnehmen. Auf 70 Plätze kommen also ca. 700 bis 800 Bewerbungen“, so Dr. Wimmer.

Portraitbild von Dr. Daniel Wimmer
Dr. Daniel Wimmer, Leiter des Hochschulservice Internationales (© THWS/Jule Müller)
„Sie haben ungefähr zehnmal so viele Bewerbungen aus ganz Indien, wie sie am Ende aufnehmen. Auf 70 Plätze kommen also ca. 700 bis 800 Bewerbungen“ – Zitat von Dr. Wimmer.

Umzug in eine andere Welt

Für Smitha und Prerana, hat sich der Wunsch in Deutschland studieren zu können verwirklicht. Doch ein Umzug von Bangalore ins unterfränkische Schweinfurt ist wie der Umzug zwischen zwei Welten. Smitha war darauf jedenfalls nicht vorbereitet: „Das ist ein riesiger Unterschied! Weil Bangalore eine Metropole ist, ist dort immer was los, während Schweinfurt eine kleine Industriestadt ist.“ Für sie war es trotz der großen Unterschiede etwas Positives: „Es war eine angenehme Umstellung, von einer sehr lauten Stadt in eine sehr ruhige Stadt zu kommen.“ Aber auch hier in der ruhigen Industriestadt kann die Wohnungssuche für internationale Studierende zur Zerreißprobe werden. Die fehlenden Kenntnisse des Mietmarkts und der Sprache machen es ihnen besonders schwer bei der Suche nach einer Bleibe.

Portraitbild von Smitha Bellavi.
Smitha Bellavi ist sehr zufrieden mit ihrer Entscheidung an der THWS zu studieren (© Smitha Bellavi)

Auch der Hochschulservice Internationales, weiß von den Problemen der internationalen Studierenden. Mit Online-Vorbereitungskursen, versucht man die jungen Menschen für den schwierigen Mietmarkt zu sensibilisieren und so gut es geht zu informieren. Dennoch sieht man sich aber ein Stück weit auch die Hände gebunden. „Wir versuchen zu unterstützen und zu informieren, aber eine Wohnraumvermittlung ist für uns nicht machbar, das ist kapazitär leider nicht möglich“, erklärt Dr. Wimmer. Er weiß, dass es im Großen dennoch gut um die jungen Menschen aus Indien und Pakistan steht. „Wir wissen, dass die fachliche und interkulturelle Vorbereitung, dazu führt, dass wir aus dieser Gruppe sehr wenige Studienabbrecher haben.“ Und das will etwas heißen, denn, nicht nur der Mietmarkt macht es anfangs schwer anzukommen, zusätzlich unterscheidet sich die Art und Weise, wie gelehrt wird, in vielen Punkten grundlegend.

„Wir wissen, dass die fachliche und interkulturelle Vorbereitung, dazu führt, dass wir aus dieser Gruppe sehr wenige Studienabbrecher haben.“ – Zitat von Dr. Wimmer

Theorie versus praktische Vorbereitung

Während es in Indien Gang und Gäbe ist, dass oft Antworten auf bestimmte Fragen und theoretisches Wissen gelehrt werden, geht es an den deutschen Hochschulen mehr um die praktische Anwendung. Beide Studentinnen betonen, dass sie sich durch die praxisbezogene Lehre gut gewappnet für ihren weiteren Arbeitsweg fühlen. „Verglichen mit Indien bekomme ich hier so viel praktische Erfahrung und muss mich nicht auf theoretisches Wissen verlassen, was super ist“, so Smitha.

Eine gute Entscheidung?

Auf die Frage, ob sie die Entscheidung noch einmal so treffen würde, sagt Prerana: „100 Prozent! Um hier studieren zu können, hätte ich sowieso ein Jahr Schule nachholen müssen und da waren die Vorbereitungsklassen eine ziemlich gute Möglichkeit für mich.“ Und auch Smitha ist nach ihren Startschwierigkeiten immer noch voll davon überzeugt, dass es der richtige Weg für sie war: „Es lohnt sich absolut und ich liebe es total, was ich mache!“ Dr. Wimmer zieht ebenso eine positive Bilanz: „Es ist etwas, was zu uns als THWS passt. Es ist nicht alles bis aufs kleinste Mü festgenagelt, aber es kann leben und das ist toll. Der Erfolg ist eigentlich, dass die jungen Menschen, die hierherkommen, sich schnell zurechtfinden, erfolgreich studieren und dass sie gut sind.“

Portraitbild von Prerana Joardar.
Für Prerana Joardar war die Wahl in Deutschland zu studieren alles andere als eine Zufallsentscheidung (© Prerana Joardar)
Schon im Vorbereitungskurs Freunde zu finden, hilft später, wenn man nach Deutschland kommt." –  Zitat von Prerana Joardar

Mit all ihren Erfahrungen, die die beiden jungen Frauen aus Indien gemacht haben, haben sie einen Ratschlag an nachkommende Studierende: „Zu versuchen, unter Leute zu kommen, hilft wirklich. Und Freunde zu finden und auf die eigene mentale Gesundheit zu achten, ist wichtig“, meint Smitha. Etwas, das ebenfalls Prerana betont: „Schon im Vorbereitungskurs Freunde zu finden, hilft später, wenn man nach Deutschland kommt. Und wenn man erst einmal hier ist, sollte man auch mal Spaß haben und etwas erleben.“

Dieser Artikel wurde im Rahmen des Masterstudiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation verfasst.

Fokus Grün, Nachhaltigkeit an der THWS

Ein Artikel von
Paul Bauer