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Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Orientierung für Internationals: In Deutschland Fuß fassen

Wie internationalen Studierenden beim Studienstart in einem neuen Land geholfen wird

 © Sabrina Laukart

Das Orientierungsprogramm soll allen internationalen Studierenden helfen, in Deutschland Fuß zu fassen. Es unterstützt sie dabei, sich im deutschen Hochschulsystem zurechtzufinden, bürokratische Hürden zu bewältigen und den Studienalltag an der THWS zu organisieren.

Veröffentlicht am 21.08.2026

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Das mögen für viele deutsche Studierende offensichtliche Dinge sein. Für internationale Studierende sind das jedoch alltägliche Herausforderungen. Genau da setzt das Orientierungsprogramm an: Es soll den internationalen Studierenden der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) den Start an der neuen Hochschule und im neuen Land erleichtern.

Orientierung zwischen Bürokratie und Hochschulsystem

Von deutscher Bürokratie bis hin zu Hochschulstrukturen - das alles kann am Anfang schon mal überfordernd sein, wenn man aus seinem Heimatland andere Vorgaben gewohnt ist.  "Wir möchten den Studierenden die Schritte erklären, die sie vor und nach ihrer Anreise durchführen sollen", erklärt Aylin Chaban vom Hochschulservice Internationales. Sie unterstützt die internationalen Studierenden mit dem sogenannten Orientierungsprogramm. 

Ertugrul Kiyici ist ein solcher internationaler Student und hat vor seinem Vollzeitstudium an dem Orientierungsprogramm teilgenommen. Er studiert seit 2023 Mechatronik in Schweinfurt an der THWS und kommt ursprünglich aus der Türkei. „Bürokratie in Deutschland ist sehr schwer“, erklärt er.

„Bürokratie in Deutschland ist sehr schwer“ - Zitat von Ertugrul Kiyici

Ziel des Programms ist es, den Studierenden aus dem Ausland einen leichten Einstieg ins Studium in Würzburg oder Schweinfurt zu ermöglichen. Die Studierenden sollen möglichst vor der Anreise bzw. vor Studienbeginn alle relevanten Informationen bekommen, wodurch sie entspannter in ihr Studium starten können. 

Das Programm hilft auch dabei, Aylin Chaban und die Kolleginnen und Kollegen des Hochschulservice Internationales zu entlasten. Ohne das Orientierungsprogramm würde das Büro täglich viele Male mit den gleichen Fragen konfrontiert werden. Beim Orientierungsprogramm können viele davon im Vorhinein geklärt werden. „Der Betreuungsaufwand wäre riesig, wenn man einzelne Beratungstermine macht“, erklärt Chaban.

Ertugrul Kiyici trägt einen Anzug und lächelt in die Kamera.
Ertugrul Kiyici studiert seit 2023 Mechatronik an der THWS in Schweinfurt und hat vor Studienbeginn am Orientierungsprogramm teilgenommen (© Ertugrul Kiyici/mit KI bearbeitet)

Offen für alle: Zielgruppe, Teilnahme und Organisation

Teilnehmen können alle internationalen Studierenden der THWS. Das bedeutet, dass sowohl Erasmus- als auch Austauschstudierende aus Nicht-EU-Ländern die Sitzungen mitverfolgen können. Das Programm ist darüber hinaus unabhängig von der Studiendauer. Es ist also egal, ob die internationalen Studierenden lediglich für ein Semester nach Deutschland kommen oder ob sie hier ihr gesamtes Studium absolvieren. Sie können alle an dem Programm teilnehmen.

Das Programm ist nicht verpflichtend, aber „wenn jemand das Ganze verpasst, ist er natürlich vollkommen orientierungslos“, erklärt Chaban. Studierende, die das Programm verpassen, schicken Chaban und ihren Kolleginnen und Kollegen dann viele E-Mails. Die Erfahrung zeigt zudem, dass diese Studierenden im Allgemeinen viel gestresster sind, wenn sie in Deutschland ankommen.

Das Programm findet rund zwei Wochen vor dem Semesterstart in Zoom-Sitzungen statt. Das hat sich seit der Corona-Pandemie so etabliert. Vor 2020 waren es ausschließlich Präsenz-Veranstaltungen. Viele warten zum Zeitpunkt der Veranstaltungen aber noch auf ihr Visum oder sind einfach noch nicht nach Deutschland gezogen. „Vor allem Vollzeitstudierende müssen oft lange auf ihr Visum warten und schaffen es nicht, vor Ort zu sein“, erklärt Chaban. Die Zoom-Sitzungen stellen sicher, dass alle Interessierten teilnehmen können. Sie führen somit auch dazu, dass die Teilnahmequote höher ist und die Nachfragen außerhalb der Sitzungen weniger sind.

Sitzungen mit vielen Antworten: Inhalte des Orientierungsprogramms

Das Programm umfasst ein mehrstufiges Informationskonzept mit drei Hauptsitzungen, die jeweils zwei Stunden lang sind. 

Die erste Sitzung behandelt alles rund um das Studium an der THWS. Hier werden also die verschiedenen THWS-Portale, Prüfungsanmeldungen und Ansprechpersonen vorgestellt. „Sie gehen davon aus, dass der Hochschulservice Internationales für sie in allen Bereichen zuständig ist“, so Chaban. „Das ist nicht der Fall, das können sie aber nicht wissen.“ 

Die zweite Sitzung klärt alle rechtlichen Fragen und zeigt den Alltag in Deutschland auf. Chaban erklärt beispielsweise, wie die Anmeldung bei Behörden oder Krankenversicherungen funktioniert, wie sich Mietverträge zusammensetzen und welche unterschiedlichen Beratungsangebote inner- und außerhalb der Hochschule es gibt.

„Die Studierenden wissen oftmals gar nicht, was sie alles machen müssen“ – Zitat von Aylin Chaban

In der dritten Sitzung wird ein interkulturelles Training angeboten. Dabei geht es um deutsche Gepflogenheiten, mögliche kulturelle Unterschiede und No-Gos, aber auch Alltagsthemen wie beispielsweise Mülltrennung. Chaban sagt den Studierenden ganz klar: „Seid bereit, dass vieles anders sein wird.“ 

Es gibt darüber hinaus noch zwei weitere Sitzungen mit jeweils einer Einführung in die Bibliothek und einer Vorstellung vom Campus Sprache der THWS. Dort könnten die Studierenden Deutsch- oder Englischkurse belegen.

Internationale Studierende stehen gesellig beieinander.
Willkommensveranstaltung für internationale Studierende an der THWS in Würzburg am 11. Oktober 2023 (© THWS/Nataliya Kudelya und Aylin Chaban )

Über das Studium hinaus

Nach dem Semesterstart gibt es noch ergänzende Unterstützungsangebote. In einem wöchentlichen Tutorium können aufkommende Fragen während des Semesters geklärt werden. Diese Sitzungen sind ebenfalls online und dauern rund 90 Minuten. Dabei werden wichtige Themen wiederholt und Hilfestellungen bei Prüfungsanmeldung, Krankheit, Reisen oder Alltagsfragen gegeben.
 
Wenn die meisten Studierenden vor Ort sind, gibt es - außerhalb des Orientierungsprogramms - auch Präsenzangebote vom Hochschulservice Internationales. Dazu gehören unter anderem eine Willkommensveranstaltung, City Rallyes und Freizeitaktivitäten, die vom International Student Club der THWS organisiert werden. Ziel dieser Angebote ist es, internationalen Studierenden das Ankommen zu erleichtern und soziale Kontakte zu ermöglichen.

Internationales Studierende haben sich zu einem Gruppenfoto auf einer Treppe zusammengefunden.
Willkommensveranstaltung für internationale Studierende an der THWS in Schweinfurt am 17. März 2024 (Sommersemester 2024) (© Sabrina Laukart)

Dass das notwendig ist, zeigt sich auch im Studienalltag. „Es kann schwierig sein, in einem neuen Land Anschluss zu finden“, erklärt Aylin Chaban. Besonders Studierende in englischsprachigen Studiengängen hätten oft wenig Kontakt zu deutschen Kommilitoninnen und Kommilitonen. Dadurch entstünden schnell internationale Gruppen unter sich.

Nicht allen gelingt es jedoch, schnell Freundschaften zu schließen. Manche Studierende können sich - vor allem am Anfang - allein fühlen. Deshalb sei es wichtig, gezielt Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen: „Wir müssen eine Plattform bieten, wo man andere Studierende kennenlernen kann.“ Einsamkeit könne sich sonst auch auf das Studium auswirken. „Wenn man alleine und frustriert ist, hat man auch keine Lust auf Vorlesungen.“

„Es kann schwierig sein, in einem neuen Land Anschluss zu finden“ Zitat von Aylin Chaban

Dass solche Angebote Wirkung zeigen können, berichtet auch Ertugrul. „Am Ende des Programms wurden wir alle – also die internationalen Studierenden - zu einem Dinner eingeladen“, erzählt er. Dort habe er eine bulgarische Studentin kennengelernt, mit der er bis heute befreundet sei.

Für ihn sei das Orientierungsprogramm damit nicht nur eine Hilfe im Umgang mit Bürokratie und Hochschulstrukturen gewesen - sondern vor allem auch ein wichtiger Schritt, um im neuen Alltag anzukommen.

Ein Artikel von
Alessandra Pöhmerer