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Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Prof. Dr.-Ing. Jonas Müller: Die touristische Bedeutung von Wein und Kulinarik verstehen lernen

Über den Studiengang Kulinarik- und Weintourismus, die Leidenschaft zum Weinbau und die Tourismusregion Würzburg

 © Bernhard Schandelmaier

Prof. Dr.-Ing. Jonas Müller ist Studiengangleiter des Bachelorstudiengangs Kulinarik- und Weintourismus an der THWS. Seit dem Wintersemester 2025/26 kann man hier an der Fakultät THWS Business School lernen, wie Tourismus in der Region funktioniert, wie man die Region vermarktet und auch, welche Rolle Wein und Kulinarik dabei spielen. Im Interview mit Fokus Orange erzählt Prof. Dr.-Ing. Müller, was ihn am Weinbau fasziniert und erklärt, warum sich der Standort Würzburg ideal dafür eignet regionalen Tourismus verstehen zu lernen.

Veröffentlicht am 05.06.2026

Wie kamen Sie zur Professur an der THWS und Ihrem Fachbereich Kulinarik- und Genusswirtschaft?

Tatsächlich habe ich nach dem Abitur meinen Zivildienst auf einem Weingut gemacht und dort mit geistig behinderten Menschen gearbeitet. Seitdem hat sich mein Interesse am Weinbau weiter verstärkt, sodass ich auch in diesem Bereich studiert habe. Damit waren dann auch einige Auslandsaufenthalte, z. B. an der UC Davis in Kalifornien und in Australien verbunden, – ich habe gemerkt: Mit Weinbau steht einem die Welt offen. Nach einigen Jahren auf verschiedenen internationalen Weingütern und dem Arbeiten in der Natur, hat es mich aber dann an die Hochschule Geisenheim University für meine Promotion zurückgezogen. Danach war ich mehrere Jahre als Versuchskellermeister am Weincampus Neustadt beschäftigt und habe in vielen theoretischen und praktischen Veranstaltungen Lehrerfahrung gesammelt.

Zitat von Prof. Dr.-Ing. Jonas Müller: Mit Weinbau steht einem die Welt offen

Ihre Leidenschaft für Weinbau spürt man. Diese begleitet Sie nun schon viele Jahre.

Man lernt im Weinbau mit den Jahreszeiten zu leben. Im Sommer ist die Arbeit eine andere als im Winter, das macht es schließlich so facettenreich. Außerdem liegt ein großer Wert auf der Herkunft und der Zeit, wo und wann ein Wein entsteht – dadurch hat man am Ende trotzdem immer sehr unterschiedliche Produkte. Die Weinbranche wandelt sich zusätzlich immer mehr vom klassischen Weinverkauf hin zu einem erlebnisorientierten Konzept: Darauf muss man sich einstellen, aber das macht es auch sehr spannend.

Zitat von Prof. Dr.-Ing. Jonas Müller: Die Weinbranche wandelt sich zusätzlich immer mehr vom klassischen Weinverkauf hin zu einem erlebnisorientierten Konzept
Die Studierenden sitzen in Ihrem Vorlesungszimmer und halten Weingläser mit einem Schluck Wein in den Händen.
Im Rahmen der Vorlesung „Einführung in den Weinmarkt“ fand auch die erste Verkostung statt (© THWS/Jonas Müller)

Was lernen die Studierenden im Studiengang Kulinarik- und Weintourismus?

Der Studiengang setzt den Fokus auf den Tourismus in der Region und gibt einen breiten Überblick, was die Region Franken bietet. Das Thema Wein ist in Würzburg natürlich sehr präsent, aber der Bereich Kulinarik und Wein ist nur einer von drei Schwerpunkten, die den Studiengang so besonders machen. Die Studierenden lernen darüber hinaus aus den Bereichen Kulturwissenschaft und Tourismus im Allgemeinen, um so die regionale, touristische Wertschöpfungskette interdisziplinär und mit all ihren Akteuren und Netzwerken kennenzulernen. Außerdem sind wir an der THWS Business School angesiedelt und es werden alle wichtigen betriebswirtschaftlichen Grundlagen vermittelt, wie in unseren anderen Bachelorstudiengängen auch. Es ist schließlich auch wichtig zu lernen: Was bedeutet es, ein Weingut oder eine Gastronomie zu leiten? Unsere Absolvierenden werden im späteren Berufsleben vor allem mit Menschen zu tun haben, egal ob auf dem Weingut, im Gastgewerbe oder im Tourismusbüro.

Zitat von Prof. Dr.-Ing. Jonas Müller: Es ist schließlich auch wichtig zu lernen: Was bedeutet es, ein Weingut oder eine Gastronomie zu leiten?
Blick auf die Festung Marienberg in Würzburg an einem sonnigen Tag.
Wie man eine Region am besten vermarktet, können die Studierenden im Bachelorstudiengang Kulinarik- und Weintourismus an der THWS in Würzburg lernen – ein Fokus liegt hier auf dem Weinanbau (© AdobeStock/Leonid Andronov)

Warum sehen Sie Würzburg dafür als idealen Standort?

Die Studierenden sollen lernen, wie eine Region mit ihren Akteuren und deren Zusammenarbeit funktioniert und wie man diese Region am besten vermarktet. Da bringt Würzburg eine perfekte Grundlage mit, denn historisch haben wir hier mit drei Spitzenweingütern direkt im Stadtzentrum, einer sich verselbstständigten Weintourismusattraktion wie der Alten Mainbrücke, dem Blick auf die Spitzenlagen um Würzburg und den vielen Weinerlebnisangeboten in der Stadt eine Weinmetropole, wie es in Deutschland keine zweite gibt. Die Weinbauregion Franken und ihre Verbände haben außerdem früh erkannt, wie wichtig der Weintourismus und der Ausbau der damit verbundenen Infrastruktur sind. Die Vereine und Menschen aus dem Bereich sind also sehr interessiert und engagiert und haben ganz essentiell zum Zustandekommen des Studiengangs beigetragen.

Die Studierenden stehen aufgereit im Würzburger Ratssaal und schauen nach oben Richtung Kamera.
Oberbürgermeister Martin Heilig empfing die Studierenden der THWS im April im Würzburger Ratssaal: Er betonte die Bedeutung des Weinbaus und des Tourismus für Würzburg und die Region Mainfranken (© THWS/Natja Schmitt)

Nach den ersten Monaten des neuen Studiengangs – was ist Ihre Bilanz und worauf freuen Sie sich?

Beim Aufbau des Netzwerks hier in der Region zeigt sich, wie gut das Thema angenommen wird. Bei den Partnern aus Tourismus, Kultur und Gastgewerbe renne ich sozusagen offene Türen ein. Auch wenn das Curriculum soweit steht, sind wir natürlich bei der Ausgestaltung des neuen Studienprogramms noch ziemlich frei und es macht riesigen Spaß das alles mit Leben zu füllen – so nehmen wir auch das Feedback der Studierenden im allerersten Jahrgang sehr gerne an und können gemeinsam Schwerpunkte setzen. Außerdem hatten wir schon viele spannende Exkursionen zu und Vorträge von lokalen Akteuren, wie Juliusspital, Bürgerspital, Brot & So, Schraud & Baunach, dem Fränkischen Weinbauverband und vielen mehr. Und es stehen noch aufregende Ausflüge an, unter anderem unsere internationale Exkursion nach Südtirol im Juli 2026: Dort schauen wir uns an, wie diese italienische Vorzeigeregion Destinationsmarketing betreibt. Es bleibt also aufregend!

Zitat von Prof. Dr.-Ing. Jonas Müller: Auch wenn das Curriculum soweit steht, sind wir natürlich bei der Ausgestaltung des neuen Studienprogramms noch ziemlich frei und es macht riesigen Spaß das alles mit Leben zu füllen
Die Studierenden stehen in Winterkleidung in einer Lagerhalle und lächeln in die Kamera.
Exkursionen zu regionalen Unternehmen gehören beim Studiengang dazu: Hier besuchten die Studierenden das Juliusspital im Rahmen des Moduls „Einführung in die Kulturwissenschaft“ (© THWS/Jonas Müller)
Prof. Dr.-Ing. Jonas Müller trägt eine Brille, einen Pullover in Türkis und hat kürze graue Haare. Er wurde vor einer grünen Naturlandschaft fotografiert.
Prof. Dr.-Ing. Jonas Müller ist Studiengangleiter des Bachelorstudiengangs Kulinarik- und Weintourismus (© Bernhard Schandelmaier)

Kulinarik- und Weintourismus (B. A.)

Der Bachelorstudiengang Wein- und Gastronomietourismus umfasst sieben Semester und verbindet wirtschaftliche, kulturelle und touristische Inhalte unter besonderer Berücksichtigung der Nachhaltigkeit. Im Grundstudium werden betriebswirtschaftliche, touristische und kulturelle Grundlagen vermittelt. Im Fachstudium vertiefst du deine Kenntnisse in den Bereichen Kulinarik, Weintourismus und Destinationsmanagement. Die theoretische Wissensvermittlung erfolgt durch Vorlesungen, Übungen und praxisnahe Projekte. Ein Praxissemester ermöglicht dir wertvolle Einblicke in die Berufswelt. Internationale Studienoptionen und Exkursionen runden das Programm ab.


Abschluss: Bachelor of Arts (B. A.)
Zulassung: N. C.
Studienort: Würzburg, Campus Münzstraße
Fakultät: THWS Business School
Studienform: Vollzeitstudium
Dauer: 7 Semester Regelstudienzeit
Sprache: Deutsch, teilweise Englisch
Studiengebühren: Keine (nur Semesterbeitrag, 182,10 Euro)
Studienbeginn: Wintersemester (1. Oktober)
Bewerbungszeitraum: Jährlich vom 1. Mai bis 15. Juli

Link zum Studiengang

Ein Artikel von
Anna Christ