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Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Ausbilderschein an der THWS: Eine Zusatzqualifikation mit Zukunft

Wozu man den Ausbilderschein benötigt und warum sich der Erwerb während des Studiums besonders lohnt.

 © AdobeStock/auremar

Innerhalb weniger Wochen zum Ausbilderschein - und das schon während des Studiums: An der THWS können Studierende aller Fachrichtungen die begehrte Zusatzqualifikation erwerben. Das bringt nicht nur Kostenvorteile, sondern auch wertvolle Kompetenzen für die eigene Karriere.

Veröffentlicht am 04.09.2026

Die duale Berufsausbildung ist ein deutsches Erfolgsmodell - sie kann aber nur funktionieren, wenn die Auszubildenden im Unternehmen kompetent begleitet werden. „Wenn man sich vorstellt, dass man mit 16 in einem Unternehmen startet, ist es total wichtig, jemanden an seiner Seite zu haben, der dich in allen Belangen unterstützt", sagt Laura Wolf, Koordinatorin des Ausbilderscheins am Campus Weiterbildung der THWS. Sie kennt die Bedeutung gut ausgebildeter Ausbilderinnen und Ausbilder aus eigener Erfahrung: “Die Aufgaben gehen weit über die Wissensvermittlung hinaus: Sie sind Bindeglied zwischen Betrieb, Industrie- und Handelskammer (IHK) und Berufsschule." Außerdem kümmern sie sich um organisatorische Aufgaben wie Zeitpläne, das Berichtsheft oder Absprachen mit verschiedenen Abteilungen und der Geschäftsführung. Gleichzeitig geht es darum, persönliche Ziele der Azubis im Blick zu haben - wo wollen sie hin und wie lassen sie sich dabei individuell auf ihrem Weg begleiten?

Zwei Personen tragen hellblaue Shirts und blicken in einer Montagehalle auf einen Produktionsvorgang.
© AdobeStock/Daisy Daisy

Mitarbeitende mit Ausbilderschein, auch AdA-Schein (Ausbildung der Ausbilder) oder Ausbildereignung genannt, sind in Deutschland für Unternehmen die formale Voraussetzung, um in anerkannten Berufen ausbilden zu dürfen. Schon seit dem Sommersemester 1985 bietet die Hochschule Prüfungen nach der Ausbilder-Eignungsverordnung an, damals noch ausschließlich für Studierende der Betriebswirtschaftslehre. Inzwischen steht das Angebot allen Immatrikulierten offen, unabhängig von Fachrichtung oder Semester. „An unserer Hochschule läuft das Verfahren vollständig digital ab: Von der Anmeldung über die Vorlesungen findet alles online statt. Auch die Abschlussprüfung kann wahlweise online oder vor Ort abgelegt werden”, erklärt Laura Wolf. Zweimal jährlich, jeweils am Semesterende während der vorlesungsfreien Zeit, absolvieren rund 100 Teilnehmende die insgesamt elf Module. „Innerhalb von zwei Wochen hat man abends rund drei Stunden Vorlesung", erklärt sie die Struktur der Blockveranstaltung. 

Laura Wolf sitzt an ihrem Schreibtisch und lächelt in die Kamera.
Laura Wolf kümmert sich als Koordinatorin um die Organisatorin des Ausbilderscheins an der THWS. (© Hanna Kleeberger)

Früh anfangen lohnt sich

Der Ausbilderschein kann auch später im Berufsleben noch nachgeholt werden. Es gibt jedoch viele Vorteile, ihn schon während des Studiums zu erwerben. Diesen Weg hat auch Michael Vogel gewählt. „Ich habe mich gegen Ende meines Masterstudiums selbstständig gemacht. Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass ich in meiner Marketing-Agentur später mal Azubis ausbilden werde", erzählt er. Die Kostenersparnis war ein weiterer Anreiz: An der THWS kostet der Schein nur 159 Euro statt der üblichen 750 bis 1.000 Euro. "Ich habe mich gemeinsam mit einem Freund angemeldet und wir konnten uns gegenseitig beim Lernen unterstützen”, erklärt Michael Vogel. “Auch der zeitliche Aspekt ist nicht zu unterschätzen: Im Studium hat man oft mehr Zeit, besonders in den Semesterferien, als zusätzlich zu einem Vollzeitjob”, erklärt Laura Wolf. Und nicht nur für Selbstständige ist der Ausbilderschein nützlich: “Der erste Blick bei einer Bewerbung fällt auf den Lebenslauf”, erklärt sie. “Die Zusatzqualifikation bietet da natürlich einen Wettbewerbsvorteil und kann die Jobchancen erheblich verbessern und Türen zu neuen beruflichen Wegen öffnen.”

 “Der erste Blick bei einer Bewerbung fällt auf den Lebenslauf. Die Zusatzqualifikation bietet da natürlich einen Wettbewerbsvorteil, kann die Jobchancen erheblich verbessern und Türen zu neuen beruflichen Wegen öffnen.” - Zitat von Laura Wolf

Theorie und Praxis im Doppelpack

Die Veranstaltung gliedert sich in zwei Kernthemen, die auf den Alltag als Ausbilderin oder Ausbilder vorbereiten: Elmar Kemmer unterrichtet das Modul Berufspädagogik, während Cornelia Gidengil das Thema Berufsbildungsrecht behandelt. Dort lernen die Teilnehmenden die formalen Grundlagen der Berufsausbildung: Welche Verordnungen sind einzuhalten? Wie viele Pausenzeiten stehen Auszubildenden zu? Welche Unterschiede gibt es zwischen minder- und volljährigen Mitarbeitenden? Der pädagogische Teil hingegen fokussiert sich auf den zwischenmenschlichen Aspekt: Wie gestaltet man Gruppenarbeiten sinnvoll? Wie äußert man konstruktive Kritik, ohne zu verletzen? Wie berücksichtigt man individuelle Lernprozesse? Diese Aufteilung spiegelt die doppelte Herausforderung des Alltags der Ausbilderinnen und Ausbilder wider: einerseits die rechtlichen Rahmenbedingungen zu kennen, andererseits pädagogisch kompetent zu handeln. Doch der Nutzen reicht weit über die reine Ausbildungsberechtigung hinaus: „Man lernt auch viel über Selbstorganisation, Kommunikation und auch Lernkompetenzen – das konnte ich auch im oder nach dem Studium für mich selbst anwenden", resümiert Michael Vogel. “Und auch die Abschlussprüfung war mithilfe der Vorlesungen und der Skripte wirklich gut machbar.”

Michael Vogel lächelt in die Kamera und hält seine Urkunde in die Höhe.
Masterstudent Michael Vogel hat erfolgreich den Ausbilderschein bestanden. (© Hanna Kleeberger)
“Man lernt auch viel über Selbstorganisation, Kommunikation und auch Lernkompetenzen – das konnte ich auch im oder nach dem Studium für mich selbst anwenden.” - Zitat von Michael Vogel

Die Prüfung am Ende der Veranstaltung verbindet theoretisches und praktisches Wissen: Im praktischen Teil entwickeln die Teilnehmenden eine betriebliche Ausbildungssituation, die sie in einer PowerPoint-Präsentation vorstellen. Ergänzend dazu verfassen sie ein Handout, das die didaktische Planung und methodische Umsetzung der gewählten Situation dokumentiert. Der theoretische Prüfungsteil erfolgt als Multiple-Choice-Test. Etwa vier Wochen nach der schriftlichen Prüfung erhalten die Teilnehmenden ihr Ergebnis. Bei Erfolg stellt die THWS eine Teilnahmebescheinigung aus, die gegen eine Bearbeitungsgebühr bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in ein Zertifikat umgeschrieben werden kann, mit dem der Studierende die Ausbildungsberechtigung erhält.

Karriereboost für alle Fachrichtungen

Der Ausbilderschein ist deshalb auch für Studierende relevant, deren Fachrichtungen auf den ersten Blick wenig mit klassischen Ausbildungsmaßnahmen zu tun haben: “Gerade im sozialen Bereich arbeitet man oft mit jungen Nachwuchskräften zusammen und auch im wirtschaftlichen Bereich sind Absolventinnen und Absolventen des Ausbilderscheins bestens für Aufgaben in Weiterbildung und Personalentwicklung gerüstet”, erzählt Elmar Kemmer, Dozent für Berufspädagogik. “Bildungsträger erkennen den Schein als grundlegende pädagogische Ausbildung an, was Türen als Dozent öffnen kann, zum Beispiel bei der IHK oder den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz)”.

 “Bildungsträger erkennen den Schein als grundlegende pädagogische Ausbildung an, was Türen als Dozent öffnen kann.” - Zitat von Elmar Kemmer

Die Motivation, den Ausbilderschein an der THWS anzubieten, war von Anfang an klar formuliert: „Das Angebot sollte das Ausbildungsniveau in den Unternehmen stärken und dadurch die Qualifikation der Mitarbeitenden in den Betrieben erhöhen", so Elmar Kemmer. Dies könne nur durch die Versorgung der Betriebe mit qualifizierten Ausbilderinnen und Ausbildern erfolgen, die auf der einen Seite Fachwissen vermitteln, aber auch über die didaktischen, methodischen und juristischen Grundlagen der Berufsausbildung verfügen. 

Eine Qualifikation mit Zukunft

Die gesellschaftliche Relevanz dieser Rolle hat in den vergangenen Jahren noch zugenommen. „Es kommen jetzt auch Fragen auf zur Migration und zur Digitalisierung. Deshalb passen wir die Inhalte und die Prüfung auch jährlich an aktuelle Themen an", berichtet Laura Wolf. “Deswegen ist es einfach wichtig, dass in den Unternehmen wirklich neue qualifizierte und motivierte Ausbilderinnen und Ausbilder nachkommen." Die Zusatzqualifikation erweist sich also als nachhaltige Investition sowohl in die eigene berufliche Zukunft - als auch die der nächsten Generation.

Ausbilderschein

  • Abschluss: Ausbildereignung (AdA-Schein)
  • Veranstaltungsart: Blockveranstaltung (online)
  • Dauer: ca. drei Wochen während der Semesterferien
  • Kosten: Prüfungsgebühr 159 € (Nachprüfung 69 €)
  • Voraussetzung: Immatrikulation an der THWS

Dieser Artikel wurde im Rahmen des Masterstudiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation verfasst.

Ein Artikel von
Hanna Kleeberger