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Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Aus Ideen werden Maßnahmen: 18 Schritte für mehr Klimaschutz

Wie die THWS mithilfe von hochschulinternen Umfragen Klimaschutz strategisch vorantreibt

 © AdobeStock/deagreez

Durch die Befragung „Gemeinsam für mehr Klimaschutz“ sammelte die THWS Ideen direkt aus der Hochschulgemeinschaft. Aus den eingereichten Vorschlägen sind 18 Kernmaßnahmen entstanden.

Veröffentlicht am 14.08.2026

Klimaschutz, so viel ist klar, ist eine Gemeinschaftsaufgabe - alleine lässt sich schließlich wenig ausrichten. Und eine solche Gemeinschaftsaufgabe lebt auch davon Erfahrungen und Ideen auszutauschen. Diesen Grundgedanken hat die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) mit einer hochschulinternen Befragung aufgegriffen. Beschäftigte aus Verwaltung, Fakultäten, Hochschulservices sowie Studierende brachten ihre Perspektiven ein. Daraus wurden 18 konkrete Maßnahmen abgeleitet, die nun schrittweise umgesetzt werden. Koordiniert wurde die Beteiligungsinitiative von Katharina Falkenstein, Klimaschutzmanagerin der THWS. Sie ist Teil des Hochschulservices Nachhaltigkeit und Liegenschaften (HSNL) und verantwortet die Entwicklung eines Klimaschutzkonzepts sowie die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen in Zusammenarbeit mit der Hochschulgemeinschaft.

Katharina Falkenstein steht auf der Dachterrasse in der Münzstraße und lächelt in die Kamera.
Als Klimaschutzmanagerin der THWS koordinierte Katharina Falkenstein die Befragung (© Matthias Häusler)

Klimaschutz als Prozess

Umweltschutz an der THWS ist dabei kein kurzfristiges Vorhaben, sondern ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess. Mit dem übergeordneten Ziel, bis 2030 in Teilbereichen klimaneutral zu werden, verfolgt die Hochschule einen strategischen Ansatz. Eine Bestandsaufnahme in den vergangenen zwei Jahren identifizierte Herausforderungen und lieferte belastbare Daten zu Ressourcenverbräuchen. Diese bildeten die Grundlage, um Emissionsschwerpunkte zu erkennen, Maßnahmen zu priorisieren und ihre Wirksamkeit messbar zu machen. Ergänzt wurde dieser Prozess durch die Befragung der Hochschulangehörigen. „Gerade weil wir eine große Hochschulgemeinschaft sind, reicht es nicht aus, mit einzelnen Personen zu sprechen. Nur wenn von Beginn an Akzeptanz geschaffen wird, lassen sich Maßnahmen später erfolgreich umsetzen“, betont Katharina Falkenstein.

Zitat von Katharina Falkenstein: erade weil wir eine große Hochschulgemeinschaft sind, reicht es nicht aus, mit einzelnen Personen zu sprechen. Nur wenn von Beginn an Akzeptanz geschaffen wird, lassen sich Maßnahmen später erfolgreich umsetzen

Die Erhebung wurde im Sommer 2025 über einen Zeitraum von rund zwei Monaten durchgeführt. Ziel war es, vielen Studierenden und Beschäftigten der THWS eine niederschwellige Beteiligung zu ermöglichen. Inhaltlich orientiert sich die Umfrage an neun zentralen Handlungsfeldern. Diese reichen von Mobilität und Energienutzung bis hin zu IT-Infrastrukturen sowie Forschung und Lehre.  

Alltag trifft Klimaschutz

Einige der eingereichten Vorschläge entstanden aus Alltagserfahrungen und setzen genau dort an, wo klimarelevante Entscheidungen im Hochschulalltag unmittelbar spürbar werden. Das zeigen auch die Anregungen von Alexander Pfarr, Referent für IT Governance im Hochschulservice Digitalisierung. „Im Arbeitsalltag sind mir immer wieder Dinge aufgefallen, die sich ökologisch wie auch ökonomisch optimieren lassen“, beschreibt er seine Motivation.

Seine Ideen zeigen, wie vielfältig klimaneutrale Entwicklung gedacht werden kann. Dazu zählen vergleichsweise einfache technische Anpassungen wie Bewegungssensoren für Flurbeleuchtungen, bedarfsgerechte Steuerung von Displays an Hörsaaltüren sowie der Einsatz von Schreibtischlampen zur Reduzierung der Raumbeleuchtung. Daneben schlug Pfarr auch strukturelle Ansätze vor, so beispielsweise Dienstwege zwischen den Standorten verstärkt über E-Leihräder abzudecken, um den innerstädtischen Autoverkehr zu verringern. Auch eine konsequentere Second-Hand-Nutzung von Büromaterialien innerhalb der Abteilungen sowie verbindliche Nachhaltigkeitskriterien bei Neuanschaffungen gehörten zu seinen Anregungen.

Zitat von Katharina Falkenstein: Nur wenn von Beginn an Akzeptanz geschaffen wird, lassen sich Maßnahmen später erfolgreich umsetzen

Zugleich sieht Pfarr Hochschulen in der Verantwortung, Klimaschutz nicht nur operativ umzusetzen. „Die Lehre ist ein entscheidender Hebel, weil wir dort die nächste Generation erreichen - Nachhaltigkeit sollte dabei fachgebietsübergreifend vermittelt werden“, sagt er. Verbindliche Nachhaltigkeitsinhalte sind aus seiner Sicht entscheidend, um Klimaschutz als selbstverständlichen Bestandteil beruflichen Handelns zu verankern. Was im Alltag einzelner Beschäftigter beginnt, verdichtete sich in der Auswertung zu einem übergeordneten Meinungsbild mit standortspezifischen Unterschieden. Während in Schweinfurt vor allem Begrünung und Entsiegelung im Kontext laufender Bauprojekte thematisiert wurden, rückte in Würzburg ebenso wie standortübergreifend das Thema Mobilität in den Fokus. Diskutiert wurden Verbesserungen der Fahrradinfrastruktur - von Abstellanlagen bis hin zu Reparaturmöglichkeiten. Auch die Weiterentwicklung des Jobtickets wurde vielfach angeregt, um den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu gestalten. Eng damit verknüpft war der Wunsch, bestehende Homeoffice-Regelungen weiter auszubauen, um Pendelverkehr sowie Heiz- und Flächenbedarfe zu senken. Zudem wurde ein Bedarf an regelmäßiger und vor allem transparenter Berichterstattung deutlich.

Alexander Pfarr posiert für die Kamera.
Alexander Pfarr ist Referent für IT Governance an der THWS (© Mayandra Pogodzik)

Von 77 Vorschlägen zu 18 Kernmaßnahmen

Im Rahmen der Befragung eingegangene Vorschläge wurden zu 77 Maßnahmenansätzen gebündelt und durch begleitende Analysen ergänzt. Daraus definierte die THWS 18 Kernmaßnahmen, die das strategische Rückgrat des angestrebten Klimaschutzkonzepts bilden. Ein Schwerpunkt liegt auf den eigenen Liegenschaften der Hochschule. Bau- und Sanierungsvorhaben sollen künftig mithilfe einer Checkliste bewertet und nachhaltiger gestaltet werden. Ergänzend dazu ist ein Gebäudekataster mit energetischem Sanierungsfahrplan vorgesehen, um Sanierungsbedarfe strategisch zu priorisieren. Auch der Ausbau von Photovoltaikanlagen wird weiterverfolgt, wobei weitere Potenzialflächen und Fördermöglichkeiten identifiziert werden sollen.

Parallel dazu adressieren mehrere Ansätze den Energie- und Ressourcenverbrauch. Dazu zählen die Einführung eines Energiemanagementsystems nach ISO 50001, eine digitale Verbrauchsanalyse in einem Pilotgebäude sowie Wassereinsparung durch moderne Sanitärtechnik. Ergänzend wird die Einführung eines standardisierten Abfalltrennsystems an allen Standorten geprüft. Fortbewegung spielt ebenfalls eine zentrale Rolle: Ein Mobilitätskonzept soll nachhaltige Alternativen fördern und durch ein Mobilitätsforum zum Austausch begleitet werden. Simultan dazu ist eine schrittweise Modernisierung des Fuhrparks mit klimafreundlichen Antriebstechnologien vorgesehen.

Eine blaue Straßenbahn hält an der Haltestelle Sanderstraße.
Ob Fahrrad, E-Mobilität oder Bahn – nachhaltige Mobilität ist ein zentrales Handlungsfeld (© Mayandra Pogodzik)
Die Fahrrad-Reparaturstation in der Münzstraße Würzburg steht vor einer Steinwand im Winter.
Infrastruktur für nachhaltige Mobilität: Fahrrad-Reparaturstation in der Münzstraße Würzburg (© Mayandra Pogodzik)

Aber auch organisatorische und strukturelle Veränderungen gewinnen an Bedeutung. Geplant ist unter anderem eine effizientere Nutzung von Verwaltungs- und Lehrflächen, um Energieverbräuche zu senken. Gleichzeitig sollen Beschaffungsprozesse weiterentwickelt werden, um künftig verbindliche Nachhaltigkeitskriterien einzuführen. Ergänzend ist ein Fahrplan zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft vorgesehen, um beispielsweise die Wiederverwendung von IT-Hardware zu garantieren. Darüber hinaus setzen mehrere Maßnahmen auf Transparenz und Wissenstransfer. Geplant sind jährliche Klimaberichte zur Erfolgskontrolle, die Stärkung studentischer Klimaschutzprojekte in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern sowie die Weiterführung partizipativer Formate zur Sensibilisierung der Hochschulgemeinschaft. Ein fachbereichsübergreifendes Lernangebot zu Nachhaltigkeit soll zudem langfristig in der Lehre verankert werden. Abgerundet wird der Maßnahmenkatalog durch ein Mentoring-Angebot, mit dem das Klimaschutzmanagement der THWS seine Erfahrungen an andere Hochschulen und Kommunen weitergibt.

Das Ideen-Whiteboard ist eine digitale Sammlung von vielen bunten Notizen.
Auf einem Ideen-Whiteboard können Studierende ihre Vorschläge einbringen

Beteiligung schafft Wirkung

Die Befragung markiert keinen Abschluss, sondern den Auftakt eines fortlaufenden Prozesses. Um weiteres Engagement zu ermöglichen, wurde ein digitales Ideen-Whiteboard eingerichtet, das auch künftig Raum für neue Impulse bietet. Ergänzend steht ein Funktionspostfach für Anregungen zur Verfügung. Denn, wie Katharina Falkenstein betont: „Nachhaltigkeit macht vor allem dann Spaß, wenn sie gemeinsam gelebt wird. Wenn wir mutig sind und Dinge zusammen angehen, entstehen Lösungen oft viel einfacher als zunächst gedacht.“

 © AdobeStock/Iwona (Generiert mit KI)

Beteiligungsmöglichkeiten

Um Studierenden und Mitarbeitenden weiterhin die Möglichkeit zu öffnen, Anregungen einzubringen wurde ein digitales Ideen-Whiteboard geschaffen, in dem Vorschläge eingetragen werden können. Auch per E-Mail sind Ideen und Ergänzungen willkommen.

Zum Ideen-Whiteboard

E-Mail: nachhaltigkeit.hsnl[at]thws.de

Fokus Grün, Nachhaltigkeit an der THWS

Ein Artikel von
Mayandra Pogodzik