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Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Studieren ohne Barrieren

Ein Studium mit Behinderung oder chronischer Erkrankung ist eine Herausforderung. Die THWS bietet dabei vielfältige Unterstützung.

 © AdobeStock/Robert Kneschke

Studieren bedeutet für viele: Selbstständigkeit, Freiheit und die Aussicht auf neue Möglichkeiten. Eine Lebensphase, in der die Verantwortung noch überschaubar scheint und der „Ernst des Lebens“ noch nicht ganz begonnen hat. Doch das gilt nicht für alle Studierenden.

Veröffentlicht am 19.08.2026

Der eine braucht einen Rollstuhl, bei anderen ist die Beeinträchtigung unsichtbar: Nach Angaben des Deutschen Studierendenwerks haben rund 16 % der Studierenden in Deutschland eine studienerschwerende Beeinträchtigung. Dazu zählen neben körperlichen Behinderungen auch chronische und psychische Erkrankungen, wie Depressionen, Angststörungen, ADHS oder Formen von Autismus. Auch an der THWS betrifft dies mehrere hundert Studierende. So individuell die Krankheitsbilder sind, so individuell sieht auch der Studienalltag für Betroffene aus.

Zwischen Hörsaal, Rollstuhl und Abgaben

„Meine Erkrankung wirkt sich auf alle Muskeln aus, also war die Studienzeit auf jeden Fall geprägt von Unsicherheiten beim Laufen und deswegen war Schreiben auch verlangsamt”, sagt Zoe Gräf. Sie hat von 2018 bis 2022 Soziale Arbeit an der THWS studiert und lebt mit der Erkrankung Friedreich-Ataxie. Das ist eine seltene, genetisch bedingte und fortschreitende Erkrankung des Nervensystems, die Gleichgewicht, Koordination und Muskelkraft beeinträchtigt. Während ihres Studiums wechselte Zoe vom Rollator zum Rollstuhl, was schwere Türen, kurze Zeitspannen und Hörsäle mit steilen Sitzreihen zu einer täglichen Herausforderung für sie machte. „Ich war dann halt so die zweite, dritte Reihe Sitzerin”, beschreibt sie und sagt, dass es für sie keine Option war, in höheren Reihen des Vorlesungssaals zu sitzen, „weil mir das halt schwerfiel”. Auch wenn sie es anders gewollt hätte: „Ich bin da oft über meine Grenzen hinaus gegangen und bin dann doch noch eine Reihe weiter hoch.” Dinge, über die andere Studierende kaum nachdenken, wie den Weg zur Mensa oder Toilettengänge, musste Zoe bereits im Voraus planen und dabei akzeptieren: manches kann sie nicht so tun wie andere.

Zoe Gräf auf der alten würzburger Mainbrücke.
Zoe Gräf erinnert sich noch an die Herausforderungen ihres Studiums (© Lucas Zimmermann)

Rückblickend erzählt sie, dass eine Begleitung im Studienalltag eine sehr hilfreiche Unterstützung für sie gewesen wäre. Und obwohl sie selbst Nachteilsausgleiche, wie Zeitverlängerungen in Anspruch nahm, war es schwierig, diese überhaupt zu bekommen, da es für sie oft unklar war, an wen sie sich wenden konnte. „Das gibt einem einfach super viel Unsicherheit”, betont sie. Oftmals werden Betroffene bei solchen Entscheidungen zusätzlich von Unsicherheiten, dem Wunsch nach Selbstständigkeit und der Sorge vor Stigmatisierung gehemmt. Ist der Entschluss jedoch gefasst, im Studium an der THWS Unterstützungsangebote in Anspruch zu nehmen, stellt Prof. Dr. Tobias Aubele eine zentrale Anlaufstelle dar. 

Inklusion als Aufgabe der gesamten Hochschule

Seit dem Wintersemester 2025/26 ist Prof. Dr. Aubele Beauftragter für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung an der THWS. Er koordiniert Unterstützungsangebote, berät Betroffene und vermittelt an passende Stellen innerhalb der Hochschule. Auf der Website gibt es außerdem viele andere Hilfsangebote, wie einen Leitfaden, der umfassendes Infomaterial für die selbstständige und unabhängige Recherche zur Verfügung stellt.

Prof. Dr. Aubele betont, dass Inklusion nicht nur eine Frage baulicher Maßnahmen sei. Ebenso entscheidend sei das Bewusstsein im Hochschulalltag, bei Lehrenden ebenso wie bei Studierenden: „Inklusion bedeutet, dass ich das Miteinander gestalte und dass es keinen Unterschied gibt”, so Prof. Dr. Aubele.

„Inklusion bedeutet, dass ich das Miteinander gestalte und dass es keinen Unterschied gibt” – Zitat von Prof. Dr. Aubele.
Portraitbild Prof. Dr. Tobias Aubele vor schwarzem Hintergrund.
Prof. Dr. Tobias Aubele ist Beauftragter für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung an der THWS (© THWS)

Neben Nachteilsausgleichen geht es dabei auch um Angebote für Lehrende, die sich unter anderem für ihren Unterricht und für Exkursionen über die barrierefreien Möglichkeiten der Studierenden informieren können. „Es wäre schön, wenn das Thema auch von den Lehrenden etwas breiter gedacht wird”, betont er und merkt an, dass zwar viel über künstliche Intelligenz gesprochen werde, grundlegende Aspekte der Inklusion, wie barrierefreie PDFs, jedoch in manchen Kursen noch nicht selbstverständlich seien.

Wo Studierende Unterstützungsangebote finden

Ein wichtiger Ansprechpartner, der auf der Website ebenfalls aufgeführt ist, ist die Kontakt- und Informationsstelle für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung, kurz KIS. Klara Straub ist eine von mehreren Studienbegleitenden der KIS. „Meistens geht es darum, wie man sein Studium selbst organisieren kann, und dabei unterstütze ich“, erklärt sie. Die Aufgaben der Studienbegleitung umfassen das Entwickeln von Lernstrategien, das Setzen von realistischen Zielen und das Schaffen von Struktur. Es geht darum, den Studierenden zu helfen, ihren eigenen Weg durchs Studium zu finden, also quasi eine Hilfe zur Selbsthilfe. Empathie ist eine zentrale Voraussetzung für diese Arbeit. Denn die Studienbegleitung richtet sich an Studierende mit sehr unterschiedlichen Beeinträchtigungen, die von Depressionen, Angststörungen oder ADHS bis hin zu Autismus reichen. Da es sich hierbei um sehr persönliche und vertrauliche Informationen handeln kann, unterliegt die Arbeit der KIS auch der Verschwiegenheitspflicht. Persönliche Anliegen bleiben also geschützt, sodass ein Raum geschaffen werden kann, in dem Probleme offen angesprochen und reflektiert werden können. „Also wendet euch an uns. Wir sind da, um euch zu helfen und euch zu unterstützen”, appelliert Klara Straub. Denn gerade psychische Erkrankungen oder neurodiverse Wahrnehmungen bleiben im Hochschulalltag oft ungesehen. Umso wichtiger ist eine Atmosphäre, in der Nachfragen erlaubt ist und Unterstützung nicht stigmatisiert wird.

Wir sind da, um euch zu helfen und euch zu unterstützen” – Zitat von Klara Straub.

Warum viele Studierende trotzdem zögern

Woran jedoch liegt es, dass es Studierenden so schwerfällt, nach Hilfe zu fragen? Trotz bestehender Unterstützungsangebote stoßen viele Studierende bereits an einer sehr grundlegenden Stelle an ihre Grenzen: dem Wissen über vorhandene Angebote. Fehlende Kenntnis von Anlaufstellen und kein eindeutiges Wissen, an wen sie sich innerhalb ihres Studiengangs wenden können - genau wie es bei Zoe Gräf der Fall war. Hinzu kommen strukturelle Hürden, wenn Sprechstunden ausschließlich Face-to-Face angeboten werden: „Das kann für einige herausfordernder sein”, erklärt Klara Straub. Auch negative Vorerfahrungen mit Institutionen oder Unterstützungssystemen spielen eine Rolle. Sie führen mitunter dazu, dass Vertrauen fehlt oder Hilfe gar nicht erst in Anspruch genommen wird. Nicht zuletzt fällt es manchen Betroffenen schwer, sich einzugestehen, dass sie mehr Unterstützung benötigen, als sie aktuell erhalten.

Portraitbild von Klara Straub.
Klara Straub, Studienbegleitung bei der Kontakt- und Informationsstelle (© Thea Drechsler)

Für ein inklusives Miteinander

Neben baulichen, strukturellen und beratenden Maßnahmen können auch andere Dinge einen Unterschied für Betroffene im Alltag machen: das Zeigen von Verständnis etwa, die aufmerksame Wahrnehmung der Mitmenschen oder einfach ein offenes Ohr können schon eine große Hilfe sein. So individuell die Einschränkung der Betroffenen ist, so individuell kann auch der Unterstützungsweg aussehen. An der THWS gibt es eine Vielzahl an Unterstützungsangeboten. Barrierefreie Lernräume, individuelle Beratung, Studienbegleitung oder Angebote des studentischen Gesundheitsmanagements sorgen dafür, dass Nachteile von Betroffenen ausgeglichen werden können. Denn das Ziel ist nicht Bevorzugung, sondern Chancengleichheit. Den ersten Schritt muss jedoch jeder für sich selbst machen: um Unterstützung bitten, also nachfragen und auf die persönliche Situation aufmerksam machen. Durch Achtsamkeit, Offenheit und Dialog mit- und untereinander lässt sich ein Studienumfeld schaffen, in dem sich alle Studierenden gesehen, gehört und unterstützt fühlen.

 © AdobeStock/Leonardo (KI-generiert)

Beauftragter für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung an der THWS

Prof. Dr. Tobias Aubele
E-Mail: studierenmitbehinderung@thws.de

Telefon: +49 931 3511-6096
Weitere Informationen zum Studium mit Behinderung oder chronischer Erkrankung an der THWS


Allgemeine Studienberatung und Kontakt- und Informationsstelle für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung (KIS) der Universität Würzburg

Sandra Mölter M.A. und Klara Straub
E-Mail: kis[at]uni-wuerzburg.de
Telefon: +49 931 31-84052

Am Hubland, Mensanebengebäude
97074 Würzburg

Weitere Informationen zur KIS


Studierendenwerk Würzburg

Unterstützung und Beratung für Studierende mit gesundheitlichen Einschränkungen und/oder Behinderungen: 
Pia Lenhard
E-Mail: sozialberatung@swerk-wue.de

Telefon: +49 931 8005-228
Weitere Informationen zur Beratung des Studierendenwerks Würzburg


Krisendienst Unterfranken Hilfe bei psychischen Notlagen

Telefon: 0800-6553000

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Fokus Grün, Nachhaltigkeit an der THWS

Ein Artikel von
Pauline Schubert