Vom Fundament bis zu den Solaranlagen auf den Dächern: Das HSNL-Team um die Leiterin Astridt Raaber und den Architekten Stephan Kutter bringt die Gebäude der Hochschule auf Zukunftskurs.
Veröffentlicht am 27.07.2026
Während wir an der THWS studieren oder arbeiten, nutzen wir die Gebäude, Räume und Energie ganz selbstverständlich. Der Alltag läuft automatisch ab, die Umgebung hinterfragt man nicht. Zumindest so lange, bis mal etwas nicht funktioniert. Hier kommt der Hochschulservice Nachhaltigkeit und Liegenschaften ins Spiel - kurz HSNL.
Der HSNL schaut sich die Hochschule von Grund auf an: vom Energieverbrauch über die Raumplanung bis zu den Bedürfnissen von Studierenden und Mitarbeitenden. Leiterin Astridt Raaber hat dabei stets ein Ziel vor Augen. „Unsere Vision ist, dass die komplette Hochschule als nachhaltige Hochschule dasteht und die gesamte THWS-Familie mit ein bisschen Stolz darauf schauen kann.“
Aus zwei wird eins: Bauprojekte und Nachhaltigkeit gehören zusammen
Sei es das Laborgebäude für Wasserstofftechnik oder die Planung einer neuen Kita - hinter vielen sichtbaren und unsichtbaren Veränderungen an der THWS steht dieser noch junge Hochschulservice. Den HSNL gibt es nämlich erst seit Januar 2025. Bis dahin liefen Bau- und Nachhaltigkeitsprojekte getrennt.
Astridt Raaber ist seit 26 Jahren an der THWS und hat die Entwicklung miterlebt. Bis 2018 arbeitete sie in der Stabsstelle Liegenschaften, die vor allem Bauprojekte betreute. Nach und nach rückte dort das Thema Nachhaltigkeit stärker in den Fokus. Schließlich wurde die Stabsstelle Nachhaltigkeit angegliedert. „Ich bin da einfach mitgewachsen", sagt Raaber zur Umstellung. Heute ist die nachhaltige Ausrichtung ihrer Arbeit nicht wegzudenken: „Für mich selbst bedeutet Nachhaltigkeit simpel: Mit den Ressourcen so gut umzugehen, dass wir einen Ausgleich schaffen für die nächsten Generationen."
Die Fusion der beiden Stabsstellen zu einem Hochschulservice war nur der erste Schritt. Hinzu kam eine grundlegende Neuerung: seit 2023 kann die THWS Bauprojekte in Eigenregie umsetzen. Mit dem Bayerischen Hochschulinnovationsgesetz wurde nämlich eine Öffnungsklausel hierfür geschaffen. Bisher waren die staatlichen Bauämter zuständig, die jedoch oft an ihrer Kapazitätsgrenze arbeiteten. Bayerische Hochschulen dürfen nun also selbst bauen, wenn sie die Ressourcen dafür haben. Die THWS nutzte diese Chance und hat den HSNL personell verstärkt. Im Team arbeiten jetzt zwei Architekten, eine Klimaschutzmanagerin, Kolleginnen aus Verwaltung und Ingenieurwesen sowie studentische Hilfskräfte.
Das Kita-Projekt: Wenn Studierende mitgestalten
Wie wichtig Studierende für die Hochschulentwicklung sind, zeigt das Kita-Projekt an dem Stephan Kutter beteiligt war. Als er hier Architektur studierte, bekam seine Studiengruppe einen verantwortungsvollen Auftrag: Plant eine Kita für die THWS. Als Standort bot sich der Innenhof der Münzstraße an, wo drei alte Pavillons stehen. „Ist eigentlich schade, alle abzureißen", dachten sich die Studierenden. Also entwickelten sie ein Konzept ganz im Sinne des „Urban Minings“: aus drei mach eins. Ein Pavillon sollte saniert werden, zusammen mit der gewonnenen Grünfläche dann eine Kita für etwa 80 Kinder entstehen.
Das Konzept begeisterte die Hochschulleitung. Die Johanniter bekundeten Interesse als Betreiber. Dann kam die Frage: Wer entwickelt den studentischen Entwurf weiter? So kam es, dass Kutter im letzten Sommer ein Vorstellungsgespräch beim HSNL hatte. Erst wurde er als studentische Hilfskraft eingestellt, nach seinem Abschluss als fester Mitarbeiter. Gemeinsam mit einem Kollegen hat Kutter den Entwurf überarbeitet. Statt zwei Stockwerken soll die Kita nur noch eines haben. Das passe besser zu den umliegenden Gebäuden und sei kostengünstiger, erklärt er. Aber vor allem profitieren die Kita- und Krippengruppen davon, wenn alles auf einer Ebene liegt.
„Für mich bedeutet soziale Nachhaltigkeit bei der Planung eines Gebäudes, die Bedürfnisse der Nutzer von Anfang an mitzudenken“, betont Stephan Kutter. So entstehen Orte, die lange funktionieren sollen. Das überarbeitete Konzept liegt nun der Stadt Würzburg vor, die Bedarf und Finanzierung prüft.
Wasserstoff und Photovoltaik: Energiewende auf dem Campus
Während die Kita noch geplant wird, ist das neue Wasserstoff-Technikum am Campus Ledward in Schweinfurt bereits für alle sichtbar. Der Studiengang Wasserstoff- und Verfahrenstechnik bekommt dort auf über 1.000 Quadratmetern moderne Räume für Forschung und Lehre. Das Gebäude wird vom HSNL gemeinsam mit der Fakultät Maschinenbau ausgestattet und wurde im Mai 2026 feierlich eröffnet.
„Im Energiebereich wollen wir möglichst autark werden, um unsere CO2-Bilanz nachhaltig zu verbessern", verdeutlicht Raaber. Deswegen wurde auf dem Neubau des Wasserstoff-Technikums von Anfang an eine Solaranlage installiert. Weitere Photovoltaik-Anlagen entstehen aktuell am Campus Ignaz Schön in Schweinfurt sowie am Campus Sanderheinrichsleitenweg in Würzburg.
Gemeinsam ist man stärker
„Es gibt vermutlich keinen Bereich, keine Fakultät und keine Organisationseinheit in der THWS, mit der wir nicht schon irgendein Thema zusammen bearbeitet haben“, sagt Astridt Raaber. Der HSNL arbeitet hochschulweit vernetzt und extern ebenso eng mit Bauämtern, öffentlichen Verwaltungen und Architektur- und Ingenieurbüros zusammen. Für alle Bauprojekte muss der HSNL dabei viele unterschiedliche Anforderungen in Einklang bringen: die Wünsche der Nutzenden, gesetzliche Vorgaben, die Ziele der Nachhaltigkeit - und dabei immer auch den finanziellen Rahmen im Blick behalten.
Neben Klimaschutz ist die soziale Nachhaltigkeit zentral: Wie wohl fühlen sich Menschen auf dem Campus, und werden ihre Bedürfnisse mitgedacht? Daraus entstehen konkrete Veränderungen von Fahrradreparaturstationen über Unisex-Toiletten bis zu Eltern-Kind-Parkplätzen. Parallel entwickelt der HSNL mit der Hochschulleitung eine langfristige Nachhaltigkeitsstrategie. Dort werden Ziele für die kommenden Jahre zusammengefasst.
Der grüne Faden führt zu offenen Türen
Studierende und Mitarbeitende können sich jederzeit mit ihren Ideen und Anliegen an den HSNL wenden. „Keine Idee ist zu klein, um sie nicht zu äußern“, betont Raaber. Der Hochschulservice versteht sich als offene Anlaufstelle, zum Zuhören, Beraten und - wenn möglich - auch Umsetzen von Projekten. Ob es um nachhaltige Verbesserungen auf dem Campus oder soziale Angebote geht: Wer etwas bewegen möchte, findet hier Unterstützung.
Was macht der HSNL also zusammengefasst? Er ist der rote oder besser gesagt grüne Faden, der sich durch Gebäudepläne und den Umgang miteinander zieht. Indem der Hochschulservice mit allen Bereichen der Hochschule in den Dialog tritt, wird nachhaltige Entwicklung an der THWS Schritt für Schritt Realität. Oder, wie es Astridt Raaber formuliert: „Eine Hochschule, auf die kommende Generationen mit gutem Gewissen bauen können.“




