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Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Prof. Dr. Winfried Wilke: „Lehre ist ein Spiegel der Persönlichkeit“

Über die Freiheit der Lehre und die Notwendigkeit auf Menschen zuzugehen

 © THWS/Anna Christ

Prof. Dr.-Ing. Winfried Wilke war vom 1. September 2004 bis zum 30. September 2025 aktiver Professor an der THWS - mehr als 20 Jahre. Dabei war er Vorsitzender des Senats, Professor für Messtechnik und Studiengangleiter im Bachelor Wasserstofftechnik an der Fakultät Maschinenbau sowie kurzzeitig auch Studiengangleiter Ingenieurpädagogik. Im Interview erzählt er von seiner Leidenschaft für die Lehre und verrät, welchen Tipp er seinen Studierenden vor dem Berufseinstieg gibt.

Veröffentlicht am 21.01.2026

Wie kamen Sie zur Professur an der THWS?

Ich habe mich ganz klassisch über eine Stellenanzeige auf die Professur für verfahrenstechnisches Messen beworben - in einer Zeit in der man bei seiner Vorstellung noch mit Folien für Overhead-Projektoren präsentiert hat. Nach dem Abitur und meinem Wehrdienst, habe ich sehr allgemein Werkzeugmaschinenbau studiert und anschließend auch promoviert. Bei der engen Zusammenarbeit mit meinem damaligen Chef, einem Professor, habe ich schnell gemerkt: Das, was er macht, das kann und will ich auch. Nach einigen Jahren Erfahrung in der Industrie, die man für eine Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften braucht, bin ich dann an die THWS berufen worden.

Neben der Professur waren Sie auch Vorsitzender im Senat der Hochschule.

Ich war schon immer juristisch sehr interessiert. Dieses Interesse konnte ich im Senat ausleben. Wir haben uns dort viel mit Prüfungsordnungen beschäftigt - schließlich müssen die Studierenden einen geregelten Weg zum Erfolg haben, den haben wir dort festgelegt. Außerdem entscheidet der Senat aktiv bei den Präsidentenwahlen und Neuberufungen mit. Als Senat stellen wir 50 Prozent des Hochschulrats und haben damit eine große Verantwortung.

Portraitbild von Prof. Dr. Winfried Wilke.
Prof. Dr. Winfried Wilke war über 20 Jahre aktiver Professor an der Fakultät Maschinenbau der THWS (© Stefan Bausewein)
Die beiden Karikaturen sind vor einer roten Steinwand angebracht.
Die Karikaturen im Labor für verfahrenstechnisches Messen zeigen Prof. Dr. Wilke und seinen Vorgänger des Fachbereichs Prof. Erhard (© THWS/Anna Christ)

Was schätzen Sie an der Arbeit als Professor?

Eindeutig die Freiheit der Lehre. Das große Gebiet Messtechnik wird mir zwar vorgelegt, aber wie ich lehre und was ich forsche, darin bin ich komplett frei. Ich habe gelernt, dass Lehre ein Spiegel der Persönlichkeit ist - erst, wenn man mit dem Herz bei der Sache und an der Lehrveranstaltung emotional beteiligt ist, hat man Erfolg. Ich lebe für Messtechnik, Systemtheorie und Regelungstechnik. Das ist das, was ich mag.

Zitat von Prof. Dr. Winfried Wilke: "Ich lebe für Messtechnik, Systemtheorie und Regelungstechnik. Das ist das, was ich mag."

Man spürt Ihre Leidenschaft für die Lehre.

Absolut, ich lebe meinen Traum. Ich habe auch immer gerne an didaktischen Fortbildungen teilgenommen, um zu verstehen: Wie vermittle ich Wissen? Es ist wichtig, den Studierenden Kompetenzen zu vermitteln, also eine Kombination aus Wissen und Fertigkeiten, damit sie „ihre PS auf die Straße“ bringen können. Da trifft es sich gut, dass wir hier an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften sind. Für mich hat sich herausgestellt, dass das genau das Richtige ist, weil wir hier sehr praxisorientiert und fakultätsübergreifend arbeiten.

Auf der Konferenz „Wir gestalten Zukunft“ im September 2025: Prof. Dr.-Ing. Christoph Bunsen (Organisator), Caroline Trips (Präsidentin der IHK Würzburg-Schweinfurt), Prof. Dr.-Ing. Winfried Wilke (Organisator), Prof. Dr.-Ing. Jan Schmitt (Vizepräsident Forschung und Gründung der THWS) (© THWS/Gunthard Schröder)

Um die Praxisanwendung zu intensivieren haben Sie das Laborpraktikum für Ihre Studierenden neugestaltet, richtig?

Mir war es wichtig, dass die Studierenden in ihrem Laborpraktikum einen Versuch von A bis Z, also von der Planung bis hin zum Ergebnis betreuen. Deshalb gab es dann nicht mehr viele kleine Einzelversuche, sondern einen insgesamt zwölfstündigen Versuch mit je drei vierstündigen Einzelterminen. Es wurde eine Geschichte darum gebaut, wie es auch in der echten Ingenieursarbeit der Fall ist, und am Ende musste ein Bericht abgegeben werden, der besprochen wurde. Das war zwar etwas strenger, aber dafür wurden die Klausuren am Ende des Semesters gut bestanden.

Zitat von Prof. Dr. Winfried Wilke: "Mir war es wichtig, dass die Studierenden in ihrem Laborpraktikum einen Versuch von A bis Z, also von der Planung bis hin zum Ergebnis betreuen."

Welchen Tipp würden Sie Studierenden nach Ihrer langjährigen Hochschulerfahrung mitgeben?

Meinen Studierenden aus dem Bereich Ingenieurwesen habe ich meist zu etwas Demut geraten, wenn man ins Berufsleben startet. Sie sollen keineswegs unterwürfig sein und auch ein gewisses Maß an Egoismus mitbringen - allerdings kommt man nach dem Studium von der abstrakten Seite. Nur gemeinsam mit der praktischen Seite, also mit Menschen, die meist viel mehr Berufserfahrung haben, wird die Arbeit dann zum Erfolg.

Prof. Dr.-Ing. Winfried Wilke und Prof. Dr.-Ing. Christoph Bunsen posieren für die Kamera mit einem "Damen nach oben".
Auf der Konferenz „Nachhaltig nachhaltig“ im September 2023: Prof. Dr.-Ing. Winfried Wilke und Prof. Dr.-Ing. Christoph Bunsen (© THWS/Gunthard Schröder)

Der Dekan der Fakultät Maschinenbau Prof. Dr. Johannes Paulus hat bei der Rede an Ihrer Abschiedsfeier gesagt „Professor Wilke kennt jeden und weiß alles“. Wie kam das?

Es ist eigentlich ganz einfach, man muss nur auf die Leute zugehen - vom Hausmeister bis zur Sekretärin des Präsidenten. Ich weiß, dass ich eine extrovertierte Persönlichkeit habe und Leute gerne von Angesicht zu Angesicht kennenlerne. Da passierte es auch mal außerhalb der normalen Arbeitszeit, dass ich in anderen Büros vorbeigeschaut habe. Aber so entwickelt man einen guten Draht und das hilft, wenn man selbst mal etwas braucht. Ich finde es wichtig, Menschen auch über den beruflichen Kontext hinaus kennenzulernen. Ähnlich ist es auch mit den Studierenden - durch die intensive Zeit bspw. bei den Laborpraktika kannte ich die Studierenden nicht nur beim Namen, sondern auch deren Hintergründe. Das macht das Professor-Sein eben auch aus.

Zitat von Prof. Dr. Winfried Wilke: "Das macht das Professor-Sein eben auch aus."
Prof. Dr. Winfried Wilke steht auf einer Bühne uns hält eine Rede/Vortrag.
Als Vorstandsvorsitzender des Unterfränkischen Bezirksvereins VDI arbeitet Prof. Dr. Winfried Wilke noch eng mit der THWS zusammen (© THWS/Gunthard Schröder)

Nach über 20 Jahren an der Hochschule - wie sehen Ihre Pläne jetzt aus?

Ich bin immer noch ziemlich beschäftigt und bin in Ehrenämtern und Fördervereinen aktiv. Als Vorstandsvorsitzender des Unterfränkischen Bezirksvereins VDI vertrete ich jetzt außerdem die Ansichten der Wissenschaften mit der Aufgabe, die technische Bildung zu fördern. Bei dieser Arbeit bin ich mit der Hochschule natürlich noch immer eng verbunden.

Dieses Interview führte eine Masterstudentin des Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation.

Ein Artikel von
Anna Christ