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Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Mit „Personal Green Skills“ Europa entdecken und gestalten

Wie internationale Studierende an der THWS gemeinsam nachhaltige Lösungen entwickeln

 © Lucy Krille

Internationale Studierende haben im Rahmen des Blended-Learning-Intensivprogramms „Personal Green Skills in Higher Education“ neue Perspektiven und nachhaltige Lösungen zur Klimakrise entwickelt. Die Abschlusswoche an der THWS in Schweinfurt war der Höhepunkt des Pilotprojekts.

Veröffentlicht am 14.01.2026

Als Waltteri Wiheriäkoski aus Finnland den anderen Studierenden seinen selbstgebauten Handyhalter zeigt, streichen sie beeindruckt über das orange gestrichene Holz, das früher einmal in dem Skateboard des Finnen steckte. Waltteri studiert Civil Engineering an der finnischen Tampere University, einer Partnerhochschule der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS). Er hat recherchiert, wie viel Kilogramm Kohlenstoffdioxid ein Kubikmeter Holz speichert und gibt die Frage an den Kurs weiter. Alle geben eine Schätzung ab, und am Ende ist es Prof. Dr. Holger Walter, der die richtige Antwort gibt: Je nach Baumart sind es zwischen 700 und 1.050 Kilogramm.

Waltteri Wiheriäkoski hat aus seinem alten Skateboard eine Handyhalterung geschaffen (© Lucy Krille)

„Warum sollte man die Speicherkapazität des Materials nicht weiter nutzen, auch wenn das Skateboard kaputt ist?“, fragte sich Waltteri. So ähnlich hat auch Sai Karthik Shankar gedacht. Der THWS-Student hat aus alten Umzugskartons einen Lautstärkeregler gebastelt, der an den Computer angeschlossen werden kann. Das Motto der beiden: „Einfach anfangen und ausprobieren!“

Damit sind sie genau richtig im Wahlpflichtfach „Personal Green Skills in Higher Education“, in dem Studierende aus fünf Ländern die Möglichkeit haben, eigene Projekte zum Thema Nachhaltigkeit allein oder in Gruppen zu entwickeln. „Green Skills“ ist ein sogenanntes Blended-Learning-Intensivprogramm (BIP), bei dem Studierende aus Europa zunächst online ein Thema bearbeiten, und sich dann eine Woche in einer der Partnerhochschulen treffen - in diesem Fall am Schweinfurter Standort der THWS. Am letzten Tag präsentieren die Teilnehmenden ihre Ergebnisse. 

Blended-Learning-Intensivprogramm (BIP)

Ein BIP ist ein kurzes, intensives Lernformat, das eine virtuelle Phase mit einer Präsenzwoche an einer Partnerhochschule kombiniert. Im Fokus stehen der internationale Austausch und der Erwerb fachlicher und interkultureller Kompetenzen.

Die Vorteile für Studierende:

  • Finanzielle Förderung durch Erasmus+
  • Anrechnung der Kurse im eigenen Studium
  • Teilnahmezertifikat der Partnerhochschule
  • Auslandserfahrung ohne langes Auslandssemester

Eine Erfahrung, die über das Studium hinaus bleibt

Neben der Arbeit am eigenen Projekt geht es auch darum, in Workshops, mit einem Planspiel und durch Exkursionen neue Perspektiven auf die Klimakrise und mögliche Lösungen zu bekommen. So habe beispielsweise ein Vortrag zu Landwirtschaft der Zukunft und ein Ausflug zu einer Solidarischen Landwirtschaft viele beeindruckt, erzählt Prof. Dr. Holger Walter. „Das ist ein Thema, das alle berührt, denn wir können nicht auf Essen verzichten.“ Der Professor der Fakultät Angewandte Natur- und Geisteswissenschaften hat das Programm zu „Personal Green Skills in Higher Education“ gemeinsam mit Sophie Fischer vom Institut für Digital Engineering entwickelt, auch Lehrkräfte der Partnerhochschulen waren beteiligt. Dazu gehören neben der THWS und der finnischen Hochschule auch Einrichtungen in Kaunas in Litauen, Malaga in Spanien und im österreichischen Wien. Am Ende bekommen die Studierenden eine Note auf ein E-Portfolio und die Präsentation.

Prof. Dr. Holger Walter war an der Entwicklung von „Personal Green Skills in Higher Education“ beteiligt (© privat)
„Irgendwann werden die Studierenden Positionen in der Gesellschaft und in der Wirtschaft besetzen, bei denen sie Entscheidungen fällen müssen. Da ist es wichtig, in Erinnerung zu haben, dass man selbst etwas bewirken kann“, so Prof. Dr. Walter.  

Noch wichtiger ist aber, was die jungen Frauen und Männer langfristig aus dem Projekt mitnehmen. „Irgendwann werden die Studierenden Positionen in der Gesellschaft und in der Wirtschaft besetzen, bei denen sie Entscheidungen fällen müssen. Da ist es wichtig, in Erinnerung zu haben, dass man selbst etwas bewirken kann“, so Prof. Dr. Walter.  

Austausch über Länder- und Fächergrenzen

Prof. Dr. Walter, Fischer und die europäischen Kolleginnen und Kollegen haben Studierende aus verschiedensten Fachrichtungen für „Personal Green Skills in Higher Education“ angesprochen. So sitzen Agrarwissenschaftlerinnen neben angehenden Ingenieuren und Lehramtsstudentinnen. „Die Gruppendynamik war von Anfang an sehr gut, man hat gemerkt, dass die Studierenden Interesse hatten, sich auszutauschen“, berichtet Fischer.

Milan Dragacevac und Ahmet Ata Kepel haben die unterschiedlichen Hintergründe der Studierenden direkt als Ausgangspunkt für ihr Projekt genommen. Die Studierenden der THWS haben in einer Studie untersucht, inwiefern nachhaltiges Handeln im Alltag in verschiedenen Kulturen und Ländern etabliert ist. So ist in der Ukraine zum Beispiel das Einlegen von Lebensmitteln verbreitet, in Ghana das Trocknen von Obst oder Gemüse. „Auch wenn wir alle aus verschiedenen Kulturen kommen, teilen wir doch den Gedanken, dass die Natur heilig ist“, sagt Ahmet.

„Auch wenn wir alle aus verschiedenen Kulturen kommen, teilen wir doch den Gedanken, dass die Natur heilig ist“, sagt Ahmet.
Milan Dragacevac und Ahmet Ata Kepel haben sich im Rahmen des BIPs mit nachhaltigem Handeln im Alltag, Festen und Traditionen in unterschiedlichen Kulturen beschäftigt (© Lucy Krille)

Diese gemeinsame Basis zu schaffen, ein Grundverständnis von der Klimakrise und Wegen, im Alltag damit umzugehen, war ein Ziel des BIPs. „Das wichtigste ist die Interaktion“, sagt Prof. Dr. Walter. Seine Kollegin hat beobachtet, dass die Studierenden immer dann besonders begeistert sind, wenn es darum geht, aktiv zu werden und Lösungen im Umgang mit Nachhaltigkeitsproblemen zu entwickeln. 

Die Praxis steht im Vordergrund

Für Alicia de Luiz García, Victor Perucha Trujillo und Maria Calderón López aus Spanien war der Fokus auf die „Persönlichen Grünen Fähigkeiten“, wie das Programm wörtlich übersetzt heißt, zunächst ungewohnt. Statt theoretischem Input gibt es eine Vielzahl an Workshops, Gruppenarbeiten und Exkursionen. Maria Calderón López, die an der Universidad de Málaga Industrial Design Engineering studiert, hatte das anders erwartet - zieht am Ende der Woche aber dennoch ein positives Fazit: „Das Programm ist ein interessanter Weg, um zu lernen und andere Standpunkte kennenzulernen.“ Am meisten haben sie und die anderen durch den Austausch mit internationalen Studierenden gelernt. Aber auch praktische und nachhaltige Lösungen wie das deutsche Pfandsystem nehmen sie als Anregung mit in ihre Heimat.

„Das Programm ist ein interessanter Weg, um zu lernen und andere Standpunkte kennenzulernen.“
(V. li.) Maria Calderón López, Victor Perucha Trujillo und Alicia de Luiz García haben ein Spiel entwickelt, mit dem Jugendliche mehr über die Zusammenhänge der Klimakrise lernen sollen (© Lucy Krille)

Im Rahmen von „Personal Green Skills in Higher Education“ haben die Spanierinnen und Spanier ein Brettspiel entwickelt, mit dem Kinder auf unterhaltsame Weise lernen, was Nachhaltigkeit bedeutet, und wie man die Umwelt schützen kann. Sie sammeln Punkte, indem sie Ozeane säubern oder Wälder pflanzen. Die Chips haben die Studierenden im Labor mit Laser bedruckt, auch das Spielfeld haben sie selbst designt. „Man kann es an Schulen spielen, aber auch zuhause, denn es ist nicht nur da, um zu lernen, es macht auch noch Spaß“, sagt Alicia de Luiz García.

Auch in Zukunft sollen „Personal Green Skills“ vermittelt werden

Die meisten Teams haben sich innerhalb einer Hochschule gebildet, damit sich die Mitglieder schon vor der Woche in Schweinfurt persönlich vorbereiten konnten. In Workshops, bei den Exkursionen und durch Freizeitaktivitäten wie einem Ausflug nach Bamberg hatten dennoch alle die Möglichkeit, internationale Bekanntschaften zu machen.

Prof. Dr. Holger Walter und Sophie Fischer sind zufrieden mit der Premiere von „Personal Green Skills in Higher Education“. Das Pilotprojekt wurde durch die Europäische Union zunächst für zwei Jahre gefördert und soll auch in Zukunft umgesetzt werden - zumindest Teile davon. Denn es ist sehr aufwendig, so ein intensives Programm zu planen und durchzuführen, geben Prof. Dr. Walter und Fischer zu bedenken. Neben Exkursionen, Filmvorführungen, Planspielen und Workshops haben die Organisatoren auch die Unterbringung und Verpflegung der Teilnehmenden koordiniert. Nun evaluieren die Lehrkräfte das Programm, speichern Kursinhalte und stellen das Unterrichtsmaterial den Partnerhochschulen zur Verfügung. Denn einzelne Lehrveranstaltungen und Methoden sollen auch in Zukunft an den Hochschulen angewendet werden.

Sophie Fischer ist zufrieden mit der Premiere ihres Projekts (© THWS/Sophie Fischer)
Fokus Grün, Nachhaltigkeit an der THWS

Ein Artikel von
Lucy Krille