Ob Forschung, Lehre oder Vertrieb: Wer seinen Bachelor in Kunststoff- und Elastomertechnik abgeschlossen hat, dem stehen zahlreiche Möglichkeiten offen. Nirgendwo wird man auf diesem Gebiet so ausgebildet wie an der THWS. Eines ist dabei garantiert: die Chance, aktiv an einer nachhaltigeren Zukunft mitzuwirken.
Veröffentlicht am 14.01.2026
Ein Studiengang mit Alleinstellungsmerkmal
Der Bachelorstudiengang Kunststoff- und Elastomertechnik an der THWS ist in Deutschland nahezu einzigartig. „Es gibt in Deutschland keinen weiteren grundständigen Bachelorstudiengang, der auf dem Gebiet der Elastomere oder der Kautschuk-Technik in der gleichen Breite und Tiefe so ausbildet wie wir“, betont Professor Dr. Volker Herrmann, einer der Lehrenden in diesem Studiengang. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal.“
Der Bereich Elastomertechnik ist die Technik rund um Gummi und Kautschuk. Ob Reifen, Dichtungen oder Schläuche - all das sind Produkte aus Elastomeren. Das nötige Know-how dazu gibt es in Deutschland nur an der THWS im Rahmen eines Bachelorstudiengangs. Mit dieser Spezialisierung reagiert die THWS auf die Bedürfnisse einer Branche, die in Deutschland rund 70.000 Beschäftigte zählt und einen Jahresumsatz von etwa zehn Milliarden Euro erwirtschaftet. Über 1.000 Absolvierende dieses Studiengangs arbeiten heute in der Industrie - die ersten sind sogar bereits im Ruhestand.
Mit Spaß durch das Studium
Das Studium richtet sich an alle, die Interesse an Technik und Naturwissenschaften mitbringen. Mathe, Physik und Chemie gehören dazu, aber Prof. Dr. Herrmann betont: „Man studiert bei uns nicht Chemie oder Physik, sondern hat einen gewissen Anteil an diesen Fächern, soweit es für das Verständnis notwendig ist.“ Auch wer in der Schule nicht in allen naturwissenschaftlichen Fächern geglänzt hat, kann also das Studium schaffen. Entscheidend sind Interesse und Engagement. „Nur wenn es einem Spaß macht, kann man Höchstleistungen bringen“, so Prof. Dr. Herrmann.
Das Grundstudium, also das erste und zweite Semester, legt das Fundament: Hier stehen Mathematik, Physik, Chemie und Konstruktionslehre auf dem Stundenplan. Ab dem dritten Semester tauchen die Studierenden tiefer in die Welt der Kunststoffe ein. Sie beschäftigen sich mit der Verarbeitung von Polymeren, lernen die chemischen und werkstoffkundlichen Grundlagen kennen und erweitern ihr ingenieurwissenschaftliches Know-how. Prof. Dr. Marcus Schuck, Studienfachberater für den Studiengang, erläutert: „Ab dem dritten Semester hat man fast ausschließlich nur noch kunststofftechnische Fächer.“
Ein Highlight vieler Studiengänge an der THWS ist das Praxissemester. Hier arbeiten die Studierenden ein halbes Jahr in Unternehmen der Kunststoff- oder Elastomerbranche - in Deutschland oder international. Viele nutzen diese Phase bereits zur späteren Orientierung oder knüpfen erste wertvolle Kontakte für den Berufseinstieg. Zurück an der Hochschule vertiefen sie im sechsten und siebten Semester ihr Wissen rund um Kunststoffe und Elastomere. Teamarbeit und eigenständige Projekte stehen dabei ebenso im Fokus wie betriebswirtschaftliche Grundlagen. Den Abschluss des Studiums bildet die Bachelorarbeit - oft in enger Kooperation mit einem Unternehmen aus der Branche. So sind die Absolvierenden bestens gerüstet für den Einstieg in eine innovative und zukunftsorientierte Branche.
Grenzenlos lernen: Praxisbezug und Internationalisierung
Praxisnähe ist ein zentrales Element des Studiengangs. Neben dem Praxissemester gibt es auch Laborpraktika und Projektarbeiten. „Wir beziehen uns in der Vorlesung aufs Praktikum und im Praktikum wieder auf die Vorlesung. Die sind sorgfältig aufeinander abgestimmt“, erklärt Prof. Dr. Herrmann. Darüber hinaus stehen durch die THWS enge Kontakte zur Industrie bereit, was ein duales Modell des Studiengangs erleichtert und bereichert. Zur Wahl der dualen Version äußert er sich motivierend: „Danach steht einem die Berufswelt offen.“
Neben dem bereichernden Praxisbezug im Studiengang wurde auch die Internationalisierung in den letzten Jahren stark vorangetrieben. Seit Kurzem gibt es den englischsprachigen TWIN-Studiengang „Applied Polymer Engineering“. Zu der Erweiterung des Studiengangs berichtet Prof. Dr. Schuck: „Die Kooperationen wurden ausgebaut. Wir haben mit anderen Fakultäten, zum Beispiel mit FANG oder mit dem Maschinenbau, symbiotisch genutzte Module, um effektiver zu werden.“ Hinsichtlich der Internationalisierung betont Prof. Dr. Schuck einen weiteren Aspekt: „Wie starten ein internationales Kooperationsprogramm mit der Deutsch-Jordanischen Universität (GJU), in dem wir einen Studiengang einführen, der Advanced Materials Engineering heißt.“ Dieser Studiengang funktioniert so, dass die Studierenden die ersten vier Semester, plus ein sogenanntes Pre-Year, Kunststofftechnik in Jordanien studieren, dabei Deutsch lernen und dann nach Deutschland kommen, um hier den deutschen Studiengang zu absolvieren. Diese neuen Entwicklungen bieten Potenzial nicht nur für den Studiengang selbst, sondern auch für die Industrie mit Blick auf den Fachkräftemangel.
Mit Kunststoffen die Zukunft nachhaltig gestalten
Absolvierende der Kunststoff- und Elastomertechnik sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt, insbesondere in der Kautschuk- und Gummiindustrie. „Unsere Studierenden sind quasi konkurrenzlos, wenn sie sich in der Gummi-Branche bewerben“, erklärt Prof. Dr. Herrmann. Aber was bietet der Abschluss nun konkret für Möglichkeiten? Von Forschung und Entwicklung über Konstruktion und Fertigung bis hin zur Materialwissenschaft ist alles dabei. Große Unternehmen wie BASF, Bayer oder Covestro suchen hier regelmäßig Fachkräfte. Auch der technische Vertrieb ist eine attraktive Option, ebenso wie die Übernahme von Produktverantwortung für kunststoffverarbeitende Maschinenbauteile. Die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen, besteht natürlich auch.
Julia Mann, eine Absolventin des Studiengangs, ist beim SKZ tätig, dem Kunststoffzentrum in Würzburg. Sie arbeitet dort an verschiedenen Forschungsprojekten mit besonderem Fokus: „Alles dreht sich um Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit.“ Die Kreislaufwirtschaft sei dabei längst „kein Nice-to-have mehr, sondern auf jeden Fall ein Schlüsselpunkt für eine nachhaltige und zukunftsfähige Industrie.“ Besonders betont sie, dass Kunststofftechnik heute weit mehr bedeute als nur Produktion: sie sei entscheidend für Ressourcenschonung, Abfallvermeidung und innovative Lösungen im Sinne des Umweltschutzes.
Die Kunststoff- und Elastomertechnik bietet nicht nur sichere und vielfältige Karrierewege, sondern auch die Chance, aktiv an einer nachhaltigeren Zukunft mitzuwirken. „Kreislaufwirtschaft funktioniert nur, wenn wir zusammenarbeiten und neue innovative Lösungen suchen und finden“, sagt Julia Mann. „Deswegen kann ich nur jeden bestärken, der Interesse an Kunststoffen und Nachhaltigkeit hat, sich damit mehr auseinanderzusetzen und beruflich in so eine Richtung zu gehen.“
Bachelorstudiengänge Kunststoff- und Elastomertechnik bzw. Applied Polymer Engineering
- Abschluss: Bachelor of Engineering (B. Eng.)
- Unterrichtssprache: Deutsch bzw. Englisch
- Regelstudienzeit: 7 Semester, Studienbeginn zum Wintersemester
- Studienort: Würzburg, Campus Röntgenring
- Studiengebühren: nein, nur Semesterbeitrag
Zur Fakultät Kunststofftechnik und Vermessung
https://fkv.thws.de
Mehr zum deutschsprachigen Studiengang
Kunststoff- und Elastomertechnik
Mehr zum englischsprachigen Studiengang
Applied Polymer Engineering




