Im Master Design und Information an der THWS steht die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Herausforderungen und Problemen im Fokus. Forschung durch Design, ein interdisziplinärer Ansatz und individuelle Projekte zeichnen den Master in besonderer Weise aus.
Veröffentlicht am 13.02.2026
Beim Stichwort Design denken die meisten an ästhetische Produkte wie Flyer, Websiten oder die klassische Arbeit in einer Designagentur. Hinter dem Begriff Design steckt allerdings weitaus mehr als das. „Design beginnt mit dem Erkennen eines Problems oder einer Herausforderung“, betont Prof. Erich Schöls. „Wir wollen unsere Studierenden dazu befähigen, gesellschaftlich relevante Fragestellungen eigenständig zu formulieren und neue, innovative und kreative Antworten darauf zu entwickeln.“ Prof. Schöls lehrt seit über 25 Jahren an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) und war maßgeblich am Konzept des Masterstudiengangs Design und Information beteiligt, welcher nach zwei Jahren Ausarbeitung 2007 startete. Würzburg war zur damaligen Zeit einer der wenigen Hochschulstandorte in Deutschland, der einen konsekutiven Design-Master angeboten hat. Konsekutiv bedeutet, dass der Master auf einem vorhergehenden Bachelorstudiengang aufbaut, Inhalte vertieft und eine Spezialisierung ermöglicht.
Das Würzburger Master-Modell
Der Master Design und Information soll aber nicht einfach nur eine Verlängerung des Bachelors sein. Vielmehr sollen die Studierenden durch den Master vertiefende Qualifikationen im gestalterischen Denken und Arbeiten erhalten, welche im Berufsleben zunehmend wichtiger werden und das bisherige Profil des Designs neu ausrichten. Im Studiengang steht Forschung durch oder mit Design ganz oben auf der Agenda. „Die Designauseinandersetzung beginnt schon mit dem selbstständigen Erkennen einer Problemstellung“, so Prof. Schöls.
Daraus entwickelte sich der Ansatz, dass sich die Studierenden mit einem eigenen Themenvorhaben für das Masterstudium bewerben. Das Projektthema kann frei gewählt werden, soll allerdings gesellschaftliche, wirtschaftliche oder kulturelle Relevanz aufzeigen. Das kann von globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel bis zu technologischen oder medizinischen Fragestellungen alles abbilden. Neben dem eigenen Projekt ist der hohe transdisziplinäre Anteil ein wichtiger Bestandteil des Studiums. Studierende erwerben einen signifikanten Teil ihrer ECTS-Leistungen in Fächern außerhalb des eigenen Studiengangs - immer abgestimmt auf ihr eigenes Thema. Diese sogenannten IWPFs (Interdisziplinäre Wahlpflichtmodule) ermöglichen es den Studierenden, sich eine vertiefende inhaltliche Expertise zu erarbeiten und auch Prüfungen in Kursen außerhalb des eigenen Studiengangs zu absolvieren.
Der Aufbau des Masters in drei Semestern
Angesetzt sind für den Master Design und Information drei Semester Regelstudienzeit. Die Jahrgänge sind oft sehr klein - fünf bis 14 Studierende sind üblich. Das Studium basiert auf zwei Hauptachsen: Projekttheorie und Projektpraxis. In beiden Schwerpunkten geht es überwiegend um das eigene Projekt. „Für die theoretische und praktische Begleitung sucht man sich jeweils eine Betreuerin oder einen Betreuer und trifft sich regelmäßig zu umfassenden Einzelgesprächen“, erklärt Prof. Schöls. „Diese Treffen fördern den vertiefenden Austausch sowie die themenspezifische Reflexion und ermöglichen eine individuelle und praxisnahe Ausbildung.“
Ein weiterer fester Bestandteil ist das sogenannte Designlabor. „Das Designlabor ist ein stark praktisch ausgerichtetes Seminar. Dort machen wir Experimente und Projekte basierend auf unserem Thema“, erklärt Paul Zweig aus dem ersten Semester. Zudem steht den Studierenden ein Masterraum zur Verfügung - ein Ort, an dem sich viele treffen und in den Austausch treten können. Begleitend zu den beiden Hauptachsen Projekttheorie und Projektpraxis werden begleitende Seminare zum wissenschaftlichen Arbeiten, zu aktuellen Technologien und vielem Weiterem angeboten. „Wir nutzen die verschiedenen Kursangebote immer in Verbindung mit unserem Thema“, sagt Lisa Herbig, die im zweiten Semester studiert. „Dadurch erkennt und erlernt man ganz weitreichende Facetten zum eigenen Vorhaben und taucht noch einmal viel tiefer in die Thematik ein.“
Der Weg zum Masterstudium Design und Information
Der Bewerbungsprozess ist relativ unkompliziert: „Zunächst muss ein Exposé abgeben werden, in dem man seine Idee beziehungsweise sein Vorhaben genauer beschreibt“, erklärt Lisa. Anschließend wird man zu einem digitalen Gespräch oder persönlich an die THWS eingeladen.“ Im Gespräch erläutere man dann genauer, womit man sich beschäftigen möchte und in welche Richtung das eigene Projekt gehen könnte. Wenn alle Bewerbungsteile positiv verlaufen, dann kann man zum Semesterauftakt mit dem Master beginnen. „Man startet zunächst sehr offen mit dem eigenen Schwerpunkt ins Studium, das Projekt konkretisiert sich dann aber meistens im Laufe des zweiten Semesters.“ Formale Voraussetzungen sind 210 ECTS-Punkte und ein Bachelor-Notendurschnitt von mindestens 2,0.
Karrieremöglichkeiten nach dem Master
In den vielen Jahren seit Beginn des Masters sind schon etliche außergewöhnliche Projekte entstanden. An einige erinnert sich Prof. Schöls noch besonders gut: die zeitliche Neuorganisation von Dienstplänen in Krankenhäusern „AidHour“ zum Beispiel verfolgte einen revolutionären Gedanken, der ohne Kostenerhöhungen die Arbeitsbedingungen von Klinikpersonal optimiert. Richtungsweisend war auch die Arbeit „Interaktive Visualisierung für die explorative Analyse von RNA-Sequenzierungsdaten“, die zusammen mit dem Helmholtz-Institut für mRNA-Forschung in Würzburg zustande kam.
Prinzipiell ist der Karriereweg für Absolvierende sehr vielfältig. „Früher sind viele erst einmal in klassische Agenturen gegangen, inzwischen arbeiten aber nicht wenige Masterabsolvierende in der Forschung oder in forschungsnahen Bereichen“, erklärt Prof. Schöls.
Ein Design-Master mit neuen Perspektiven
Grundsätzlich richtet sich der Masterstudiengang Design und Information an Absolvierende designnaher Bachelorstudiengänge. Seit geraumer Zeit aber hat sich das Spektrum der kreativen Bachelorabschlüsse angebotsbedingt etwas erweitert - entscheidend für die Bewerbung sind auf jeden Fall Motivation, Leidenschaft und die Relevanz des eigenen Vorhabens. Im Masterstudium geht es nämlich nicht nur um gestalterische Aspekte. Stattdessen werden Herausforderungen konzeptionell analysiert, bewertet und anschließend neu definiert, um über das “gestalterische Denken und Machen“ zu neuen ästhetischen Lösungen zu gelangen.
Design war bisher eher als Dienstleistung einzuordnen, doch der Master Design und Information positioniert sich in diesem Punkt neu. Durch das Studium wird ein neues gestalterisches Qualifikationsprofil vermittelt. „Ein wichtiges Ziel ist es, die Studierenden dahingehend auszubilden, dass sie Herausforderungen und Fragestellungen des Alltags erkennen und bewerten lernen“, erklärt Prof. Schöls. „Daraus ableitend formulieren sie einen Themenansatz und untersuchen diesen unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten.“ Anschließend entwickeln die Studierenden ein inhaltlich-gestalterisches Konzept beziehungsweise eine oder mehrere prototypische Umsetzungen. „Dieser proaktive Designansatz zeigt zu einem sehr frühen Zeitpunkt Lösungsansätze für Problemstellungen auf, die von der Gesellschaft häufig noch gar nicht als solche erkannt wurden“, so Prof. Schöls. Und diese besondere Ausrichtung spiegelt den Kern des Masterstudiengangs sehr treffend wider: eine zeitgemäße Auseinandersetzung im Design beginnt nicht nur mit dem obligatorischen Briefing, sondern sehr viel früher mit dem Erkennen und Formulieren einer eigenen Aufgabenstellung und der gestalterischen, interdisziplinären Ausarbeitung neuer und innovativer Lösungsansätze dazu.
Paul empfiehlt allen, die sich für den Master interessieren: „Wenn jemand Lust hat wissenschaftlich zu arbeiten und sich lange mit einem selbstgewählten Thema auseinandersetzen möchte - auf jeden Fall machen!“
Master Design und Information an der THWS
- Abschluss: Master of Arts (M. A.)
- Regelstudienzeit: 3 Semester (90 ETCS-Punkte)
- Studienbeginn: Sommer- und Wintersemester (halbjährlich)
- Studienort: Würzburg, Campus Sanderheinrichsleitenweg
- Studiengebühren: nein (nur Semesterbeitrag)
- Zulassungsvoraussetzungen: 210 ECTS, Bachelorabschluss mit 2,0 oder besser, Eignungsfeststellungsverfahren nach Projekt-Exposé
Lies auch Teil 2 über den Master Design und Information und erfahre konkret etwas zum Projekt StethoSCOPE.
Dieser Artikel wurde im Rahmen des Masterstudiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation verfasst.






