Ein eigenes Promotionszentrum an der Hochschule - das betreibt die THWS gemeinsam mit der TH Aschaffenburg und der Hochschule Coburg nun seit einem Jahr. Nach mehreren Aufnahmerunden ans NISys ziehen die Koordinierenden und Promovierenden Bilanz - die Erfahrungsberichte sprechen für sich.
Veröffentlicht am 05.03.2026
Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) blickt auf das erste Jahr der eigenständig betreuten Promotionen zurück. Mit den Schwerpunkten Energie- und Infrastruktursysteme, Mobilität und Produktion sowie Materialien kann man am NISys - kurz für Nachhaltige und Intelligente Systeme - einen Doktortitel der Ingenieurwissenschaften erwerben. Dabei kooperiert die THWS mit der Hochschule Coburg und der TH Aschaffenburg. Durch die Neuerung ist keine Betreuung der Promotion von Seiten einer Universität mehr nötig, sondern sie kann allein von der Hochschule durchgeführt werden. Dass man nun nicht mehr mit einer Universität kooperieren muss, hat einige Vorteile: die Abstimmung ist gerade in der Vorbereitung leichter - und die Wege sind kürzer.
Großes Interesse und Exklusivität der Promotion
Viele Prozesse, die das Promotionszentrum aufgebaut hat, konnten nun schon mindestens einmal durchlaufen werden und damit auch erste Optimierungen vorgenommen werden. „Natürlich ist aller Anfang von Fragen geprägt. Aber jetzt nach den ersten Aufnahmerunden stellt sich so langsam ein Regelbetrieb ein“, sagt Dr. Simone Stork, Koordinatorin für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Jedes Quartal findet eine Aufnahmerunde statt: Promovierende können dann einen Antrag auf Aufnahme ins Promotionszentrum stellen - im Oktober 2024 fanden die ersten Aufnahmen statt.
Das Interesse am Angebot ist spürbar: Aktuell sind 55 Promovierende Mitglied am Zentrum. Während sich manche noch im Anfangsstadium befinden, sind andere schon weit fortgeschritten mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit.
„Die Promovierenden sind bei uns näher am Promotionszentrum als das an einer Universität der Fall wäre“, erklärt Johanna Franke, Koordinatorin am Promotionszentrum. „Während unsere jetzigen Promovierenden einer von knapp 60 Promovierenden sind, ist man an der Uni oft einer von 1.000.“ Dass das eine gewisse Exklusivität zur Folge hat, kann Leonie Laskowitz bestätigen. Zu ihrer Promotion am NISys sagt sie: „Die Betreuung ist sehr gut: Man hat immer einen Ansprechpartner, dadurch fühle ich mich gut aufgehoben.“
Am NISys werden Austauschformate und ein jährliches wissenschaftliches Retreat angeboten. Das Ziel hierbei ist die Förderung des Peer-to-Peer-Charakters unter den Promovierenden. Zudem absolvieren die Promovierenden ein strukturiertes Qualifizierungsprogramm. Dieses ist einerseits auf wissenschaftliche Aspekte angelegt, wie zum Beispiel Konferenzbesuche oder Publikationen. Außerdem enthält es Elemente darüber hinaus, zum Beispiel Lehre als Kompetenz oder persönliche Weiterentwicklung.
Finanzierung der Promotion
Nach dem ersten aktiven Jahr des Promotionszentrums kann Bilanz gezogen werden: Die Mehrheit der Promovierenden hat eine Anstellung an der Hochschule, um die Promotion zu finanzieren. Dabei arbeiten die Promovierenden meistens an einem Forschungsprojekt mit, das oft auch mit dem Thema ihrer Promotion verbunden ist. Andere kombinieren ihre Promotion mit einer beruflichen Tätigkeit, machen sie also nebenbei. In selteneren Fällen erhalten Promovierende ein Stipendium, da diese dünn gesät sind und der Wettbewerb darum hoch. Für alle Interessierten gibt es im THWS-E-Learning-Kurs „Angebote für Promotionsinteressierte und Promovierende“ Informationen zu den Finanzierungsmöglichkeiten und weiteren Themen.
Leonie Laskowitz fährt das Modell der Promotion als Nebentätigkeit: An einem Tag in der Woche arbeitet sie an der THWS im Labor. Ansonsten läuft die Promotion neben ihrem Job eher in den Abendstunden oder am Wochenende. „Das erfordert viel Selbstorganisation, macht das Ganze aber auch sehr flexibel, wenn es beide Arbeitgeber möglich machen. Dann ist es eine tolle Abwechslung“, erzählt sie.
Praxisbezug und Qualifizierungsprogramm
Laskowitz promoviert am NISys im Bereich Motion Capture mit dem Ziel, Trainingsprozesse technisch zu unterstützen und Bewegungsanalysen zu präzisieren - ein Thema, zu dem sie auch persönlich durch den Kampfsport Bezug hat. „Das NISys bietet dabei die ideale Kombination aus angewandter Forschung und interdisziplinärem Umfeld“, sagt sie zu ihrer Entscheidung fürs Promotionszentrum der THWS. Das kommt gerade in der Zusammenarbeit mit Unternehmen zum Tragen, weil diese sowohl bei der Anwendung als auch bei der Erprobung von entwickelten Ansätzen hilfreich sind. „Ich benötige oft reale Trainingsdaten und ein Set-up, das in der Praxis umgesetzt werden kann - das erhalte ich dann in der Zusammenarbeit“, erklärt Laskowitz. „Außerdem ist das Feedback der Unternehmen unheimlich wichtig für die Weiterentwicklung der Methodik und des weiteren Set-ups.“
Am Qualifizierungsprogramm des Promotionszentrums nimmt sie begleitend während der gesamten Promotionsphase teil. Im Programm werden verschiedene Seminare und Workshops angeboten, von Publikationsstrategien bis hin zu wissenschaftlichem Schreiben, aber auch Tipps zu Präsentationstechniken oder wie man bei externen Konferenzen mit verschiedenen Stakeholdern umgeht. All das soll den Promovierenden hilfreiche Insights an die Hand geben. Außerdem sieht das Programm den Austausch mit anderen Promovierenden vor, was laut Laskowitz „einerseits motivierend, andererseits entlastend“ ist. Denn beim Fachlichen hätten die meisten Promovierenden dieselben Fragen - und auf emotionaler Ebene sei es hilfreich, wenn man merkt, dass es andere mit ähnlichen Problemen und Fragen gibt und man sich austauschen kann.
Tipps für eine erfolgreiche Promotion
Für alle, die eine Promotion anstreben, gibt Leonie Laskowitz Tipps aus ihren bisherigen Erfahrungen:
- Wähle ein Thema, für das du wirklich brennst. Wenn man richtig Interesse daran hat, herrscht eine intrinsische Motivation, diszipliniert dranzubleiben.
- Frühzeitig gute Strukturen schaffen: vor allem in der Zeitplanung, beim Schreiben selbst zum Beispiel mit einer Literaturverwaltung.
- Netzwerk und Austausch mit anderen: man ist nicht allein mit seiner Promotion. Es gibt viele, denen es ähnlich geht.
- Auch hilfreich: Pausen machen. Im Studium sowie in der Promotion sagt einem keiner, wann Feierabend ist. Es ist wichtig, sich diese Pausen selbst zu setzen, um neue Energie zu tanken und Inspiration zu bekommen.
Blick in die Zukunft
Damit die Promotion gelingt, hilft auch das Qualifizierungsprogramm. Es vernetzt nicht nur mit potenziellen Partnern, sondern auch unter den Promovierenden - zum Beispiel im Promotions-Retreat, das jährlich stattfindet. Dieses steht auch fürs Frühjahr 2026 wieder auf der Agenda. Und es ist noch mehr für die Zukunft geplant.
Das NISys fragt seine Mitglieder gezielt nach Feedback - denn so können die Prozesse kontinuierlich angepasst und verbessert werden. Eine der geplanten Weiterentwicklungen: „Wir wollen gerne noch mehr in den Austausch mit den Promovierenden gehen - in einem regelmäßig stattfindenden Online-Austausch-Format“, erzählt Johanna Franke. Im Hintergrund tut sich so einiges. Momentan arbeitet das Zentrum an der Einführung einer Software, um den Prozess der Aufnahme der Promovierenden digital zu unterstützen. Dr. Simone Stork dazu weiter: „Bald stellen wir für alle Mitglieder eine Art Intranet zur Verfügung, sodass Promovierende sowie Professorinnen und Professoren alle Infos gebündelt an einer Stelle finden.“ Das ist besonders aufgrund der Kooperation mit der TH Aschaffenburg und der Hochschule Coburg wichtig - denn mit der gemeinsamen Plattform kann man dann alle drei Hochschulen noch besser miteinander verknüpfen.
Promotionszentrum LiWa
Neben dem Promotionszentrum Nachhaltige und Intelligente Systeme (NISys) hat die THWS im Juli 2025 vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst auch das Promotionsrecht für das Promotionszentrum Lebenswelten im Wandel - Sozial- und gesundheitswissenschaftliche Perspektiven, kurz LiWa erhalten. Damit werden an der THWS auch im gesundheits- und sozialwissenschaftlichen Bereich Promotionen ohne eine Kooperation mit einer Universität möglich.
Weitere Informationen zum Promotionszentrum LiWa
Dieser Artikel wurde im Rahmen des Masterstudiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation verfasst.



