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Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Robotik: THWS räumt beim RoboCup ab

Zwischen praktischen Erfahrungen und internationalen Erfolgen: Ein Besuch im Center für Robotik

 © Anna Christ

Seit einigen Jahren nimmt die THWS, genauer gesagt ein Team des Centers für Robotik (CERI) in Schweinfurt, am internationalen RoboCup-Wettbewerb teil - mit Erfolg, wie die vielen gewonnenen Titel zeigen. Das Team besteht zu einem Teil auch immer aus Studierenden, deren Mitarbeit insbesondere ein Ziel verfolgt: Praxiserfahrung durch die direkte Arbeit am Roboter zu sammeln.

Veröffentlicht am 06.03.2026

Ein Roboter-Arm, montiert auf einer Plattform mit vier speziellen Rädern, bewegt sich durch eine simulierte Lagerhalle. Die verbauten Kabel, Computer und Software lassen sich durch eine durchsichtige Box unter dem Roboter-Arm erkennen. Der Roboter fährt autonom an den Hindernissen vorbei, greift ein Objekt und legt es in eine Schale auf seiner Plattform. Er fährt zu einem Regal an der anderen Seite des Labors und legt das Objekt darin ab. Dieser Prozess findet am Center für Robotik mehrmals täglich statt - ein Übungsdurchlauf für den RoboCup-Wettbewerb.

Gruppenfoto des THWS SWOT-Teams. Die Gruppe posiert für das Foto und steht hinter einem mobilen Roboterarm.
Ein Teil des SWOT-Teams: (hinten v. li.) Bachelorstudent Nithish Narayana Swamy, Laboringenieur Martin Löser, Masterstudenten Matthias Härle und Maximilian Streng sowie CERI-Leiter Prof. Dr. Tobias Kaupp (vorne) (© Anna Christ)

RoboCup: Autonome Robotiklösungen im Wettbewerb

Um den Stand der Technik in Robotik und künstlicher Intelligenz an Hochschulen voranzutreiben und der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde bereits 1997 der RoboCup ins Leben gerufen. Seit 2013 gibt es daran angegliedert die RoboCup@Work-Liga, die darauf abzielt, Robotik-Probleme rund um Industrie 4.0 und Smart Factorys zu lösen - an diesem Wettbewerb nimmt auch das Team SWOT des Centers für Robotik teil. „Wir beschäftigen uns mit der Robotik, die smarte Lösungen ermöglicht - sie umfasst die autonome Navigation sowie das Greifen und Handling von Objekten“, so CERI-Leiter Prof. Dr. Tobias Kaupp.

Das CERI-Team posiert bei der Veranstaltung vor einer Werbewand. Sie zeigen alle einen "Daumen nach oben" und halten ein T-Schirt mit der Aufschrift "Team SWOT" Richtung Kamera.
Das CERI-Team wird beim RoboCup 2025 Deutscher Meister (v. li.): Robotik-Bachelorstudent Stanislav Buinitskii, Masterstudent Maximilian Streng, Masterstudent Ben Geißler, CERI-Leiter Prof. Dr. Tobias Kaupp und Laboringenieur Martin Löser (© THWS/Eva Kaupp)

Der RoboCup findet sowohl im nationalen als auch im internationalen Kontext statt und das Team der THWS konnte in den vergangenen Jahren jeweils einige Erfolge feiern: 2025 wurden sie Deutscher Meister und Vizeweltmeister in Brasilien - 2024 sogar Weltmeister in den Niederlanden. Laboringenieur Martin Löser sieht in diesem Wettbewerb eine große Chance, insbesondere für Studierende: „Man sammelt einfach große Erfahrungsschätze bei solchen Veranstaltungen und lernt sowohl fürs Leben als auch für den späteren Beruf sehr viel!“

„Man lernt sowohl fürs Leben als auch den späteren Beruf sehr viel.“ - Martin Löser
Der Roboterarm befindet sich mittig im Bild. Vor dem Roboterarm stehen die gewonnenen Auszeichnungen des SWOT-Teams.
Die Preise des SWOT-Teams des Centers für Robotik: 2024 wurden sie RoboCup-Weltmeister in den Niederlanden, 2025 Deutscher Meister und Vizeweltmeister (© Anna Christ)

Teamwork: Studierende bereichern das RoboCup-Team

Das Team SWOT - SW für Schweinfurt und OT für Robot - besteht aus CERI-Leiter Prof. Dr. Tobias Kaupp und den Laboringenieuren Martin Löser und Julian Müller. Neben den festen Mitarbeitenden bilden eine wechselnde Reihe Studierender einen entscheidenden Bestandteil des Teams - aktuell sind das die Masterstudenten Maximilian Streng und Matthias Härle sowie Bachelorstudent Nithish Narayana Swamy. „Wir versuchen die Logistikprozesse in der Fabrik zu optimieren, sodass diese Transportaufgaben zwischen verschiedenen Arbeitsstationen schließlich von einem Roboter erledigt werden können“, erklärt Martin Löser. 2019 entstand durch die Initiative von Prof. Dr. Kaupp als damals neuberufener Professor die Idee ein Team aufzubauen, was projektbasiert Lösungen im Bereich der Robotik entwickelt - sowohl um an Wettbewerben wie dem RoboCup teilzunehmen, aber auch um praxisorientiertes Arbeiten mit dem Roboter an der THWS zu ermöglichen. Prof. Dr. Kaupp fasst zusammen: „Beim RoboCup geht es vor allem auch darum, Studierende auszubilden und für die Robotik zu begeistern - genau da setzen wir in Schweinfurt am Center für Robotik an.“

„Beim RoboCup geht es vor allem auch darum, Studierende auszubilden und für die Robotik zu begeistern.“ - Prof. Dr. Tobias Kaupp
Der Roboter erkennt die benötigten Objekte durch die integrierte Kamera, greift sie und lädt sie auf, um sie zu einem anderen Ort zu transportieren (© Anna Christ)
Der Greifarm des Roboters hat hält Schraube fest.
Der Greifarm des Roboters ist dabei eine Schraube in einer dafür vorgesehende Ablage zu legen.

Masterstudent in Elektro- und Informationstechnik Maximilian Streng ist aktuell Team Lead bei SWOT und damit verantwortlich für das Losschicken des Roboters beim Wettbewerb. Die Teammitglieder müssen von dort an auf das vertrauen, was sie zuvor programmiert haben - sobald der Roboter losgeschickt wurde, dürfen sie nicht mehr eingreifen. „Das schaut in erster Linie sehr einfach aus, was der Roboter jetzt eigentlich macht. Das ist aber unter der Haube wirklich schwierig“, so Maximilian Streng. 

Trotz starker Konkurrenz gerade in Deutschland kann sich das Schweinfurter Team bei den Wettbewerben behaupten. Die qualitativ hochwertige Industrieplattform bilde laut Maximilian Streng die Erfolgsbasis des Roboters. Martin Löser ergänzt zum Erfolgsrezept des SWOT-Teams: „Mit der CERI-Angliederung geht ein großes Hardware-Know-how einher. Außerdem profitieren wir davon, dass es einen eigenen Robotik-Studiengang gibt und wir als Hochschule grundsätzlich sehr praxisnah und industrieorientiert arbeiten.“

Der Roboterarm steht im fokus des Bildes. Im Hintergrund sind zwei Studierende, die an Computern arbeiten und ein Student, der den Roboterarm begutachtet.
Die Studierenden verbringen meist einige Tage in der Woche im CERI-Labor, um an ihren Projekten weiterzuarbeiten (© Anna Christ)

Warum sich die studentische Mitarbeit lohnt

Maximilian Streng sieht den Vorteil im projektbasierten Master vor allem darin, dass man sich genau für solche Projekte wie den RoboCup mehr Zeit nehmen kann. Für seine Masterarbeit beschäftigt er sich mit Pfadplanungsalgorithmen für Roboter, die auch im RoboCup-Wettbewerb Anwendung finden. „Man kann sich nicht nur über längere Zeit auf ein Projekt fokussieren und Hands-on-Erfahrung sammeln, sondern bekommt auch gleichzeitig Feedback aus dem Team, was man an seinem Projekt noch verbessern kann.“ Außerdem sammeln die Studierenden tiefere Erfahrungen mit ROS, dem „Robot Operating System“, das für den späteren Beruf als Robotik-Ingenieur von Relevanz ist. „Da hilft es, wenn man schon Erfahrungen mit dem System machen konnte - und auch in den Vorlesungen wird das Thema ROS angerissen. Man erlernt hier also Wissen, das man am Ende auch für die Prüfung gebrauchen kann.“

„Man erlernt hier also Wissen, das man am Ende auch für die Prüfung gebrauchen kann.“ - Maximilian Streng

Die Studierenden verbringen meist einige Tage in der Woche im CERI-Labor. Mitmachen im Team SWOT kann jeder, der Lust hat und sich für Robotik begeistert. „Wer Initiative zeigt und sich bei uns meldet, ist herzlich willkommen mitzuarbeiten“, erklärt Martin Löser. Nach der Einarbeitung mit den vielen komplexen Infos und Systemen seien aber doch einige schnell abgeschreckt, weshalb man wirklich Lust auf die Arbeit mit dem Roboter haben müsse. Masterstudent Matthias Härle versteht das: „Ich bin gerade selbst noch recht am Anfang und zu Beginn ist es viel Software und bestehender Code, in den man sich reinarbeiten muss. Aber umso mehr Spaß macht es dann, wenn alles funktioniert und man auch weiß, warum.“ 

Von großen Erfolgen bis zu praktischen Learnings

„Wenn ich eins gelernt habe bei der Programmierung von Robotern, dann: Keep it simple. Komplexität bei der Programmierung ist oft kontraproduktiv und wenn es möglich ist, sollte man das System immer einfach halten“, erzählt Maximilian Streng in Bezug auf die Praxiserfahrung, die ihm das Projekt bringt.

Die Mitarbeit beim RoboCup bietet den Studierenden aber nicht nur praktische Erfahrungen bei der Entwicklung von Robotiklösungen, sondern lässt sie auch internationale Wettbewerbsluft schnuppern. Maximilian Streng war bei der Weltmeisterschaft zuletzt in Brasilien dabei und hat hier gelernt, mit unerwarteten Problemen umzugehen: „Es ist tatsächlich gar nicht so einfach einen Roboter nach Brasilien einfliegen zu lassen. Wir hatten Probleme mit dem Zoll, sodass unser Roboter schließlich über zwei Tage später ankam als geplant und wir ihn sehr kurzfristig für die Competition bereit machen mussten.“ Schließlich ermögliche der Wettbewerb aber auch den Austausch mit anderen Teams, die letztendlich die gleichen Aufgaben auf andere Art lösen - das sei eine tolle Inspiration.

Der Roboterarm ist an einer weißen, sich drehenden, Scheibe positioniert. Auf der scheibe befindet sich ein Gegenstand, auf den der Arm zusteuert.
Das Projekt des Bachelorstudenten Nithish Narayana Swamy beschäftigt sich mit der Herausforderung, ein Objekt von einer drehenden Scheibe zu greifen (© Anna Christ)

Bachelorstudent Nithish Narayana Swamy arbeitet im SWOT-Team gerade an einem Roboter-Arm, der ein Objekt von einer drehenden Scheibe greift. Sein größtes Learning: Aus Fehlern lernt man! „My topic is very sensitive as my robot has to act in a dynamic environment. Therefore, I have to be very careful in what I change in my code. But the only way you learn is by making mistakes.” Fehler zulassen und aus ihnen lernen, um schließlich ein noch besseres Resultat zu erzeugen - das passiert täglich im Center für Robotik bei den Vorbereitungen auf den RoboCup. Für die Studierenden bedeutet das eine Menge Praxiserfahrung und bringt zusätzlich internationale Erfolge für das gesamte SWOT-Team.

Dieser Artikel wurde im Rahmen des Masterstudiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation verfasst.

Ein Artikel von
Anna Christ