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Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

MainBeat: Das Radio von Studierenden für Studierende

Wie ein studentisches Radioprojekt Medienpraxis, Teamgeist und kreative Freiheit fördert

 © THWS/Jule Müller

Egal ob Sendungen über die erste große Liebe oder Tipps gegen Klausurenstress: Bei MainBeat gab es zu fast jedem Thema bereits eine Sendung, die Studierende interessieren könnte. Das liegt daran, dass alle Sendungen des studentischen Radioprogramms von Studierenden selbst produziert werden. In ihren Inhalten sind sie dabei frei.

Veröffentlicht am 02.02.2026

Von der Idee zur Institution

MainBeat ist ursprünglich aus dem FH-Radio entstanden, welches 2009 gegründet wurde. Seinerzeit hatten einige Studierende Lust, Radio zu machen und animierten den damaligen Leiter des Hochschulmedienzentrums (HMZ) Helmut Göb dazu, an der Hochschule ein studentisches Radio aufzubauen. In dieser Anfangszeit gab es noch technische Beschränkungen. So konnten die Sendungen beispielsweise maximal von 50 Zuhörerinnen und Zuhörern verfolgt werden. Diese Einschränkung gibt es nun schon lange nicht mehr, erklärt René Anderl, der die Studierenden heute betreut. „Spätestens mit dem modernen Ausbau des Studios im Jahr 2013 im Hochschulgebäude Münzstraße, sind der Technik kaum noch Grenzen gesetzt.“

Ein blaues Mikrofon mit dem orangenen THWS-Logo. Im Hintergrund ist verschwommen eine Frau in dem Technikstudio zu sehen.
Auf Sendung: Das Radiostudio verfügt über eine aktuelle technische Ausstattung (© THWS/René Anderl)

Zu Beginn des studentischen Radios habe es mit Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner eine sehr engagierte Journalismus-Professorin gegeben, die die Studierenden stark gefördert habe, erklärt René Anderl weiter.

Schnittstelle zwischen Studierenden und Hochschule

Anderl ist seit 2015 als Lehrperson an der THWS die Schnittstelle zwischen Studierenden und der wissenschaftlichen Leitung, der Dekanin der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften Prof. Dr. Dagmar Unz. Er kümmert sich um viele organisatorische Dinge wie die Weiterleitung von Rechnungen oder die Bezahlung der GEMA- und GVL-Gebühren. Er unterstützt die Studierenden aber auch, falls mal etwas nicht so läuft wie geplant.

MainBeat laufe nicht schon immer so gut wie jetzt. Nach der Pandemie gab es eine kleine Pause, erzählt Anderl: „Aber jetzt, seit Franziska Comes und Leonie Engl und davor Sebastian Schoenebeck und Sebastian Schultze da waren, ist das wieder richtig gut geworden.“

René Anderl befindet sich vor einer Backsteinwand und trägt ein weißes Hemd. Er lächelt in die Kamera.
René Anderl betreut das studentische Radio MainBeat als Lehrperson (© Angelika Weber)
Franziska Comes interviewt Markus Blume an einem Tisch mit Audio-Equipment.
Hochkaratiger Gast beim MainBeat-Marathon: Franziska Comes (re.) interviewt Markus Blume, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst (© THWS/René Anderl)

Doppelspitze: Studentische Leitungen

Sebastian Schoenebeck und Sebastian Schultze waren im letzten Semester studentische Leiter von MainBeat. Heute sind das Franziska Comes und Leonie Engl. Sie sind beide im sechsten Semester ihres Medienmanagement-Studiums. Franziska ist seit dem vierten Semester in der Leitung und hat durch ihre vorherige Radioerfahrung früh Verantwortung übernommen. „Ich habe zwei Jahre vorher Freiwilligendienst bei einem Radiosender gemacht und fand es dann natürlich wahnsinnig cool, dass es auch im Studium die Möglichkeit gibt, Radio zu machen“, erzählt sie.

Franziska und Leonie sorgen als Team für die Struktur und Organisation der Redaktion. Zu ihren Aufgaben gehört, regelmäßig zu Redaktionssitzungen einzuladen und neue interessierte Leute anzusprechen. Auch die gesamte Kommunikation mit dem HMZ erfolgt über die beiden Leiterinnen. „Ich koordiniere intern die Aufgaben, denke mit, halte das Team zusammen und kümmere mich um neue Leute - Franziska übernimmt vor allem die Kommunikation nach außen“, erklärt Leonie. Darüber hinaus koordinieren die beiden größere Veranstaltungen wie den „MainBeat-Marathon“, eine Live-Radiosendung im Foyer der Hochschule. Die Leitungen sind die zentralen Ansprechpartnerinnen und repräsentieren MainBeat innerhalb und außerhalb der Hochschule.

„Ich koordiniere intern die Aufgaben, denke mit, halte das Team zusammen und kümmere mich um neue Leute - Franzi übernimmt vor allem die Kommunikation nach außen.“ Zitat von Leonie Engl

MainBeat-Marathon

Für die beiden Leiterinnen, aber auch für René Anderl, ist der MainBeat-Marathon ein Highlight. „Mit dem MainBeat-Marathon sind wir dann wirklich auch mal mehr nach außen gegangen mit dem Radio. Das hat noch viel mehr gezeigt, dass es uns gibt - das ist auch ein echtes Highlight“, so Anderl. Die Idee: Einen ganzen Tag lang live senden - direkt aus dem Foyer der Hochschule. Zwischen Laufpublikum, Kaffee und spontanen Gästen wird Radio auf einmal sichtbar, greifbar - und zum Gemeinschaftserlebnis. „Wir sitzen immer so in diesem Radiostudio, was teilweise viele Leute gar nicht kennen“, sagt Franziska. Beim Marathon sendet das Team acht Stunden lang mit vorbereiteten Themen und jeder Menge Improvisation. „Alle haben ihre Themen vorbereitet, und wir haben einfach eine gute Zeit“, erzählt sie. Für das Team bedeutet der Tag nicht nur eine große organisatorische Herausforderung, sondern auch echte Sichtbarkeit auf dem Campus. Anderl beobachtet besonders, wie solche Aktionen den Zusammenhalt stärken: „Diese Gruppe macht den Marathon und danach essen sie noch Pizza oder gehen nochmal zusammen in eine Kneipe. Das finde ich super.“ Gerade nach den pandemiebedingten Einschnitten sei das Wiederaufleben solcher Erlebnisse ein starkes Signal - für das Radio genauso wie für das studentische Miteinander.

Franziska Comes und Leonie Engl sprechen mit einer Person, die dem Betrachter den Rücken zugewandt ist. Sie sitzen zu dritt an einem Tisch, auf dem Audioequipment aufgebaut ist.
Franziska Comes (li.) und Leonie Engl (re.) beim MainBeat-Marathon im März 2025. Die beiden leiten das studentische Hochschulradio an der THWS seit mehreren Semestern gemeinsam (© THWS/Jule Müller)

Warum es wirkt und was bleibt

Was Studierende bei MainBeat lernen, hat sich über die Jahre kaum verändert - und das ist im besten Sinne gemeint. Egal ob 2009 oder 2025, die Kernkompetenzen, die durch die Arbeit beim Radio vermittelt werden, bleiben dieselben: Eigenverantwortung, Teamarbeit und Spontanität.

Das Radio ist kein Pflichtseminar, sondern ein Projekt, bei dem man nur mitmacht, wenn man wirklich will. Gerade das sorgt für ein hohes Maß an Verlässlichkeit im Team. Franziska bringt es auf den Punkt: „Ich glaube, das Wichtigste, was man hier lernt, ist Verantwortung für das zu übernehmen, was man jemand anderem aus dem Studium versprochen hat.“ Wer eine Sendung vorbereitet oder mit jemandem Beiträge plant, muss sich aufeinander verlassen können wie in jedem echten Redaktionsteam.

„Ich glaube, das Wichtigste, was man hier lernt, ist Verantwortung für das zu übernehmen, was man jemand anderem aus dem Studium versprochen hat.“ Zitat von Franziska Comes

Auch René Anderl betont die besondere Lernatmosphäre bei MainBeat: „Das Radio ist 100 Prozent freiwillig. Du versprichst deinem Kommilitonen: Du bist um die und die Uhrzeit da und machst mit ihm zusammen Radio. Oder du versprichst: Du machst mit ihm zusammen einen Beitrag. Und das wird dann eingehalten.“

Dass das Engagement bei MainBeat auch den Weg in die Medienbranche ebnen kann, zeigt sich an den zahlreichen Ehemaligen, die inzwischen bei Radiosendern wie Radio Gong oder dem Bayerischen Rundfunk arbeiten. Namen wie Tim Schumacher oder Pirmin Breninek stehen für diesen Weg. „Es gibt schon Leute, die hier infiziert werden“, freut sich Anderl.

„Es gibt schon Leute, die hier infiziert werden.“ Zitat von René Anderl

Dieser Artikel wurde im Rahmen des Masterstudiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation verfasst.

Ein Artikel von
Alessandra Pöhmerer