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Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Mainfranken Racing: Überraschende Erfolge und neue Herausforderungen

Zwischen Teamgeist, praktischen Erfahrungen und dem Mindset niemals aufzugeben

 © Tom Bischoff

Bei der Formula Student wird Motorsport hautnah erlebbar: Von Studierenden konstruierte Fahrzeuge treten im Wettbewerb gegeneinander an - so auch die Autos des Mainfranken-Racing-Teams der THWS. Das Studierenden-Team blickt auf eine erfolgreiche Saison zurück, die zunächst scheinbar unüberwindbare Hürden mit sich brachte. Warum sie sich außerdem für eine vollständige Neukonstruktion des Fahrzeugs für die kommenden Wettbewerbe entschieden haben, erfährst du hier.

Veröffentlicht am 02.02.2024

Ziel beim Formula-Student-Wettbewerb ist es, innerhalb von einer Saison ein Auto zu bauen, das sowohl durch gutes Engineering als auch durch eine starke Präsentation überzeugt. Das Mainfranken-Racing-Team der THWS nimmt dabei an beiden Disziplinen, dem Electric Vehicle (EV) und dem Driverless Vehicle (DV) teil. „Beim EV sitzt klassisch ein Fahrer noch im Wagen, während bei der DV-Disziplin das Auto ohne Fahrer und nur durch die zuvor programmierte Software fährt“, erklärt der 2. Vorsitzende und technische Leiter des Teams Hans Eschenbacher. „Unser Fokus liegt mittlerweile vor allem auf dem fahrerlosen System, weil wir hier sehr kompetente Leute für die Programmierung haben und daher bei den Wettbewerben sehr gut abschneiden.“

Feliks Burdyugov steht auf der Dachterrasse der THWS in der Münzstraße. Im Hintergrund ist die Würzburger Festung zu sehen.
Feliks Burdyugov studiert im 7. Semester Mechatronics und ist 1. Vorsitzender des Mainfranken-Racing-Teams der THWS. Damit ist er verantwortlich für organisatorische Aufgaben und anstehende Events des Teams (© THWS/Anna Christ)
Hans Eschenbacher steht auf der Dachterrasse der THWS in der Münzstraße. Im Hintergrund ist die Würzburger Festung zu sehen.
Hans Eschenbacher studiert im 3. Semester Maschinenbau und ist technischer Leiter sowie 2. Vorsitzender von Mainfranken Racing. Entsprechend ist er Ansprechpartner für alle Fragen rund um Engineering-Themen (© THWS/Anna Christ)
Logo der Mainfranken Racing

Zwischen Praxiserfahrung und persönlicher Motivation

Das Projekt bringt den Studierenden eine Menge Praxiserfahrung im Bereich des Fahrzeugbaus und im Projektmanagement. „Man durchläuft im Grunde alle technischen Schritte, die in der Branche üblich sind: Man entwickelt ein Konzept, fertigt es dann an, schickt es an Sponsoren, baut es zusammen und testet es anschließend. Ich denke, dadurch bekommt man ein sehr gutes Verständnis dafür, wie das in einem Unternehmen funktioniert”, berichtet Feliks Burdyugov, 1. Vorsitzender von Mainfranken Racing. Das Team finanziert sich vor allem durch Sponsoren - aktuell durch etwa 90 verschiedene Firmen aus der Industrie, die für angehende Ingenieurinnen und Ingenieure interessant sind. Hans erzählt: „Man bekommt dadurch natürlich auch gute Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern. Diese freuen sich wiederum, dass sie Ingenieure bekommen, die schon in der Richtung gearbeitet haben und auch Spaß an solchen Projekten haben.“

„Man durchläuft im Grunde alle technischen Schritte, die in der Branche üblich sind." Zitat von Feliks Burdyugov
Das Team steht vor einem Sonnenuntergang auf der Rennbahn. Vor ihnen ihr Fahrzeug.
Die Mitarbeit im Mainfranken-Racing-Team ist für die meisten Studierenden mittlerweile mehr als nur die Chance Praxiserfahrung zu sammeln, es ist ein Herzensprojekt (© Mainfranken Racing)

Das Mainfranken-Racing-Team besteht derzeit aus etwa 30 Studierenden, davon bilden 15 Studierende das Kernteam, das fast täglich bei der Projektarbeit anzutreffen ist. Mittlerweile ist die Mitarbeit für die meisten Teammitglieder mehr als eine Chance Praxiserfahrung zu sammeln. „Es macht einfach unfassbar viel Spaß sein Projekt leben zu sehen. Wenn das Auto schließlich fährt oder wenn man etwas gewinnt und dann auf der Bühne steht - das ist ein unglaubliches Gefühl! Andererseits hat man einen riesigen Lerneffekt, wenn man merkt, wo kann ich Fehler machen und wo kann ich noch besser werden“, so Hans. 

Wenn das Auto schließlich fährt oder wenn man etwas gewinnt und dann auf der Bühne steht - das ist ein unglaubliches Gefühl! - Zitat von Hans Eschenbacher

Nicht nur angehende Ingenieure: Mitmachen kann jeder!

Die Aufgaben bei Mainfranken Racing sind vielfältig - Mitmachen kann also jeder: „Wir verlangen keine Vorkenntnisse. Das Wichtigste für die Teilnahme am Team ist die Motivation, tatsächlich etwas zu tun”, erzählt Feliks. Als 1. Vorsitzender ist er vor allem für die organisatorische Leitung zuständig und verantwortlich für anstehende Events. Daher seien explizit auch Studierende aus anderen Studiengängen willkommen. „Gerade im Bereich Marketing haben wir natürlich auch viele Aufgaben, die wichtig sind: Von Social Media bis hin zum Newsletter oder dem Kontakt mit bestehenden und neuen Sponsoren.“ Das sei wichtig, um als Team in der Öffentlichkeit und für Sponsoren sichtbar zu sein, so Hans. Außerdem sei diese studiengangübergreifende Zusammenarbeit interessant, um immer wieder neue Perspektiven auf Herausforderungen zu bekommen und so gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Saison 2025: Vom Crash zum Sieg

Zu Beginn der Saison hätte das Team vermutlich nicht gedacht, welche Höhen und Tiefen es in diesem Jahr erwarten. Der Beginn der Saison verlief etwas holprig: Es gab interne Herausforderungen beim Besetzen der Führungspositionen und zugleich wurden Sponsoring-Gelder gekürzt. Dennoch konnte das Team durch Einsparungen und mit Hilfe von neuen, passionierten Mitgliedern ein sehr gutes fahrendes Auto für die anstehende Saison konstruieren und dieses beim sogenannten „Roll-out“ vor Freunden, Familie, aber auch den Sponsoren und der Öffentlichkeit präsentieren - ein großer Meilenstein. Nach einigen Testungen und Verbesserungszyklen stand der erste Wettbewerb in Tschechien an: „Unser Akku ist komplett selbst gebaut, da hatten wir in Tschechien leider ein kleines Problem, eine Art Wackelkontakt, weshalb dort einige Punkte verloren gingen“, beschreibt Hans. Beim folgenden Wettbewerb in Deutschland konnte das Mainfranken-Racing-Team aber wieder seine eigenen Erwartungen erfüllen, hier landeten die Studierenden bei der Gesamtwertung im ersten Drittel.

Das Team steht aufgereiht hinter seinem Fahrzeug.
Roll-out 2025: Das Team präsentierte das Fahrzeug für die anstehende Saison vor Freunden, Familie und Sponsoren (© Tom Bischoff)
(© Tom Bischoff)

Beim letzten Wettbewerb der Saison in Italien, sollten die Nerven der Teammitglieder aber nochmal auf die Probe gestellt werden. Mitten im Event gab es ein Update, das die Frequenz auf dem Data Logger, also dem Bauteil, das die Elektronik des fahrerlosen Fahrzeugs überwacht, verändert. Entsprechend wurden Fehler in die interne Kommunikation des Autos übertragen: „Wir sind dann von der Strecke abgekommen und mit 80 km/h gegen eine Wand gefahren. Wir hatten zwei Brüche in unserem Fahrwerk, einen Lagerschaden und unser kompletter Frontflügel ist abgefallen. An dem Punkt dachten wir: ‚Jetzt ist es vorbei, das wars‘“, lässt Hans die aussichtslose Situation Revue passieren. Doch anstatt sich von dieser unvorhersehbaren Herausforderung aufhalten zu lassen, war schnell klar: „Bei uns in der Formula Student ist es einfach so: Aufgeben ist nicht. In einer schlaflosen Nachschicht haben wir innerhalb von 20 Stunden das komplette Auto reparieren können!“ Tatsächlich konnte sich das Team so zurück in den Wettbewerb bringen und sich nicht nur im Driverless-Bereich den ersten Platz sichern, sondern auch den gesamten Turniersieg mit nach Hause bringen. Hans erinnert sich: „Wir konnten es gar nicht glauben - das war ein unfassbares Gefühl!“

„Wir konnten es gar nicht glauben - das war ein unfassbares Gefühl!“ - Zitat von Hans Eschenbacher
Blick auf das Siegerpodium beim Formula-Student-Wettbewerb in Italien.
Trotz eines Unfalls konnte das Mainfranken-Racing-Team beim Formula-Student-Wettbewerb in Italien den Turniersieg holen (© FSAE Italy)
Mainfranken Racing nimmt sowohl an fahrerlosen Disziplinen (Driverless Vehicle) sowie an klassischen Disziplinen mit Fahrer (Electric Vehicle) teil (© Tom Bischoff)
Bei der Formula Student in Tschechien gab es zu Beginn der Saison noch Probleme mit dem selbstgebauten Fahrzeug-Akku (© FSCzech/Endu)

Das größte Learning? Teamwork makes the dream work!

Das beschädigte Fahrwerk des Mainfranken-Racing-Teams konnte vor allem auch durch die Hilfe eines anderen Teams, also Mitbewerbern des Wettbewerbs, gerettet werden. Feliks zieht daraus vor allem das Learning, sich zu trauen nach Hilfe zu fragen: „Auch wenn wir gegeneinander antreten, ist es nicht falsch, sich gegenseitig zu helfen. Denn im Grunde genommen verbindet alle Teams aus aller Welt die gleiche Leidenschaft für den Motorsport.” Für Hans hat es gezeigt, wie stark der Teamspirit beim Mainfranken Racing ist: „Dieser Moment hat uns gezeigt, wenn man als Team zusammenhält und ein Problem angeht, statt sich nur zu beschweren, dass man unglaublich viel schaffen kann!“

Überblick über alle Teilnehmenden.
Bei der Formula Student Germany kamen viele internationale Teams zusammen - das Mainfranken-Racing-Team konnte sich hier im ersten Drittel der Tabellenwertung platzieren (© FSG/Vivek Maru)

Mit Allradantrieb in die neue Saison

Trotz dieses Erfolgs steht für das Team fest: Um weiter mithalten zu können, müssen sie ihre Autos deutlich verbessern. Aktuell fahren die Fahrzeuge noch mit Heckantrieb, zukünftig sollen die Autos mit Allradantrieb ausgestattet werden: „Die besten Teams in den Wettbewerben fahren alle mit Allradantrieb, die Motoren sitzen dann direkt an den Rädern und können so mehr Kraft auf die Straße bringen - das planen wir jetzt auch“, erklärt technischer Leiter Hans. Feliks ergänzt: „Es bringt viele Vorteile mit sich, wie eine bessere Fahrzeugkontrolle, bessere Kurvenfahrt und bessere Beschleunigung.” Dieser Umbau wird voraussichtlich etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen und das neue Fahrzeug dann vermutlich in der Saison 2027 zum Einsatz kommen. Die Wettbewerbe in der anstehenden Saison möchte das Team aber trotzdem nutzen, um zu lernen und seine Strategie zu verbessern: „Unter dem Druck des Wettbewerbs lernt man viel über sein Auto und sein Team, da wir die Kontinuität der Teamarbeit aufrechterhalten und unser Wissen verbessern”, erklärt Feliks die Entscheidung auch 2026 bei der Formula Student mitzumachen. Mit dieser Menge an Teamwork und Leidenschaft für den Motorsport, werden die kommenden Saisons für das Mainfranken-Racing-Team der THWS vermutlich weiterhin so spannend bleiben.

© Tom Bischoff

Mainfranken Racing und Formula Student

Mainfranken Racing e. V. ist das Formula-Student-Team der THWS und besteht aus engagierten Studierenden unterschiedlichster Fachrichtungen. Den eingetragenen Studierenden-Verein gibt es seit 2006. Mitmachen können alle Studierenden der THWS, gleich welcher Fachrichtung.

Die Formula Student ist ein internationaler Konstruktionswettbewerb, bei dem Studierende aus aller Welt in interdisziplinären Teams ihre eigenen Rennwagen entwickeln, bauen und präsentieren. Ziel ist es, praxisnah ingenieurwissenschaftliche, wirtschaftliche und organisatorische Kenntnisse zu verbinden. Die Fahrzeuge treten bei Events gegeneinander an, nicht nur in dynamischen Disziplinen auf der Rennstrecke, sondern auch in statischen Disziplinen im Projektmanagement.

Aktuelle Erfolge des Teams:

  • 1. Platz bei der Formula Student Italy 2025
  • 1. Platz bei der Formula Student France 2024
  • 3. Platz in der Driverless Disziplin bei der Formula Student Czech 2024

Weitere Informationen zum Mainfranken Racing e. V.

Instagram @mainfranken_racing

Diesen Artikel verfasste eine Masterstudentin des Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation.

Ein Artikel von
Anna Christ