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Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Professuren: Gesucht und gefunden

Mit dem Projekt ProPere will die THWS neue Professorinnen und Professoren gewinnen

 © Colourbox

Die THWS will Professuren attraktiver machen, um im Kampf um Fachkräfte nicht ins Hintertreffen zu geraten. Das Projekt ProPere geht das Ziel mit einem Fünf-Säulen-Konzept an.

Der Fachkräftemangel ist in aller Munde – und er wird auch an der THWS zu einem immer größeren Problem. So sei es mittlerweile eine echte Herausforderung, geeignete Bewerberinnen und Bewerber für ausgeschriebene Professuren zu finden, sagt THWS-Vizepräsidentin Prof. Dr. Gabriele Saueressig. Und der Bedarf ist hoch: „In den nächsten sechs Jahren müssen wir etwa 85 Professuren neu oder nachbesetzen“, so Saueressig. Bei rund 240 Professuren insgesamt an der THWS ist das ein erheblicher Anteil.

Mit den Problemen bei der Suche nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten steht die THWS keineswegs alleine da. Schon 2016 hat eine Studie vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung ergeben, dass jede zweite Professur an den Hochschulen unbesetzt bleibt. Geeignete Personen verdienen in der Industrie und Wirtschaft wesentlich mehr und auch die Universitäten sind Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt. Hinzu kommt, dass es inzwischen aufgrund der Hightech Agenda Bayern viele neue Professorenstellen im Bereich Künstliche Intelligenz gibt. Gerade für innovative technische Themen gibt es noch nicht viele qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber, die das Lehrgebiet abdecken, promoviert sind und dann auch noch jahrelange Berufserfahrung haben.

Gegensteuern möchte die THWS mit dem Projekt ProPere, was für „professorale Personalgewinnung und Entwicklung“ an der THWS steht. Die Hochschule hat damit ein Großprojekt, das sich über sechs Jahre streckt – bis 2027 – und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. „Wir sind eine der Hochschulen, die ein größeres Projekt mit fünf Teilvorhaben und vielen verschiedenen Maßnahmen eingeworben haben“, sagt Prof. Dr. Saueressig, die auch als Projektleiterin fungiert. Das Großprojekt ist in fünf Säulen unterteilt, die seit Juni 2021 parallel laufen: Neue Rekrutierungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, Erhöhung der Sichtbarkeit, Personalentwicklung, Nachwuchsförderung und Stärkung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Portrait Vizepräsidentin Prof. Dr. Gabriele Saueressig
Vizepräsidentin Prof. Dr. Gabriele Saueressig leitet das Großprojekt ProPere THWS (© Stefan Bausewein)
Zitat Gabriele Saueressig: „Viele Qualifizierte denken gar nicht über die Möglichkeit einer Professur nach.“

THWS will Bewusstsein schaffen

Zunächst gelte es, den potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten überhaupt die Möglichkeit einer Professur näherzubringen. „Viele Qualifizierte denken gar nicht darüber nach“, sagt Prof. Dr. Saueressig. Denn Professorin oder Professor wird man nicht direkt nach dem Studium: Neben der Promotion an einer Universität müssen Anwärterinnen und Anwärter für eine THWS-Professur in der Regel bereits mindestens fünf Jahre in einem einschlägigen Berufsfeld gearbeitet haben.

Die interne Nachwuchsförderung ist daher ein wesentlicher Bestandteil im Projekt ProPere – besonders durch ein bereits begonnenes hochschulweites Alumni-Marketing, denn die eigenen Absolventinnen und Absolventen stellen eine Quelle für potenziellen professoralen Nachwuchs dar. Hier fanden bereits Workshops statt, um die Alumni-Vereine verschiedener Fakultäten zu einem übergreifenden Alumni-Marketing zu vernetzen.

Um auf dem Radar potenzieller Bewerberinnen und Bewerber zu erscheinen, setzt ein weiteres Standbein des Projekts ProPere auf Sichtbarkeit. So kann es nun sein, dass interessante Kandidatinnen und Kandidaten einen Professur-Vorschlag in ihrem LinkedIn-Postfach vorfinden. Die Direktansprache gilt als probates Mittel, um Kandidatinnen und Kandidaten zur Bewerbung zu animieren. Ergänzt wird sie durch Marketing und Kampagnen, die die THWS als Arbeitgeberin in der Region für Professorinnen und Professoren sichtbarer machen sollen.

Einstieg soll erleichtert werden

Auch ohne die vollständige Erfüllung der formalen Voraussetzungen will die THWS in Zukunft einen Zugang in die Professur ermöglichen. Bei den innovativen Rekrutierungs- und Qualifizierungswegen geht es darum, neue Wege auszuprobieren, um Professorinnen und Professoren zu gewinnen. Insbesondere durch die Nachwuchsprofessur, bei der eine fehlende Qualifikation nachgeholt werden kann. Wenn eine Promotion vorliegt, aber Praxiserfahrung fehlt, kann diese anhand eines Tandemprogramms durch Kooperation mit Unternehmen nachgeholt werden. Umgekehrt kann auch eine Promotion nachgeholt werden, wenn die Praxiserfahrung vorliegt. „Die Möglichkeit der Nachwuchsprofessur ist an Hochschulen neu – die gesetzlichen Voraussetzungen sind mit dem Hochschulinnovationsgesetz auf dem Weg“, sagt Prof. Dr. Gabriele Saueressig.

Attraktive Arbeitsbedingungen

„In erster Linie geht es im Projekt ProPere um die Gewinnung professoralen Personals, aber wir möchten auch attraktive Rahmenbedingungen für bestehende Professorinnen und Professoren bieten“, betont Saueressig. Durch akademische Personalentwicklung soll im Projekt ProPere bestehendes Personal angesprochen werden. In dieser Projekt-Säule wurde bereits ein Willkommenspaket für neue Professorinnen und Professoren umgesetzt. Im Rahmen einer Campus-Tour konnten Neuberufene die Standorte Würzburg und Schweinfurt kennenlernen. „Wir möchten das Onboarding möglichst attraktiv machen“, sagt die Projektmitarbeiterin Katharina Palm. „Das Schöne bei der ersten Campus-Tour war, dass die ganze Hochschule zusammenkam, eine schöne Atmosphäre entstand und die Neuberufenen alle kennenlernen konnten.“

Zitat Gabriele Saueressig: „Wir möchten auch attraktive Rahmenbedingungen für bestehende Professorinnen und Professoren bieten.“

Auch das Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein wichtiges Kriterium für Bewerberinnen und Bewerber. Die THWS möchte sich daher als familienfreundliche Hochschule zertifizieren lassen und durchläuft dafür gerade ein Audit. Insgesamt acht Handlungsfelder wie etwa Kinderbetreuung, Teilzeitmöglichkeiten oder Homeoffice-Regelungen fließen in die Bewertung mit ein. 

Die THWS hat sich mit dem Projekt ProPere einer umfangreichen Aufgabe mit hohen Zielen angenommen. Auch wenn der offizielle Startschuss des Projekts am 1. Juni 2021 war, hat die Umsetzung erst mit der Einstellung der Projektmitarbeiterinnen und Projektmitarbeiter so richtig Fahrt aufgenommen. Die THWS-Vizepräsidentin und Projektleiterin sagt: „Wir passen jetzt den Meilenstein-Plan entsprechend an und möchten einzelne Umsetzungsschritte beschleunigen.“ Für die Hochschule gilt es schnell voranzuschreiten, um im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen zu können.

Zielsetzung und geplante Maßnahmen
Das Projekt ProPere THWS zur professoralen Personalgewinnung und Entwicklung besteht aus fünf Säulen (© THWS)

Hightech Agenda Bayern

2019 startete der Freistaat Bayern die Technologieoffensive Hightech Agenda Bayern. Zusammen mit der Hightech Agenda Plus investiert der Freistaat insgesamt rund 3,5 Milliarden Euro in die bundesweit einzigartige Förderinitiative. Die Hightech Agenda umfasst vier aufeinander abgestimmte Programme:

Ein Artikel von 
Sandra Kunkel